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Zeit, dynastische Angelegenheiten, sondern sie zielten, von manchenweniger wichtigen Nebenzwecken abgesehen, auf eine radikale Vernich-tung des chriftlichen Volkskörpers ab. Demgemäß wurden von denmeist irregulären türkischen Scharen Städte und Dörfer verbrannt,Brunnen verschüttet, das Vieh weggetrieben, Männer und Frauen
# 66. 3. Brunnenkopf aus DemPustertal( Muf. f. Volksk., Wien).
ermordet, Jugendliche beiderlei Ge-schlechts fortgeführt und als Skla-ven verkauft.
Die Bevölkerung der betroffe=nen Gebiete stand diesem Vernich-tungswillen vollständig wehr- undhilflos gegenüber; denn ehe dieKaiser ihr aus zahllosen Kontin-genten zusammengewürfeltes Heerauf die Beine gebracht hatten, gin-gen in der Regel viele Monate insLand.
Aus der Hilflosigkeit ergab sichdie Türken psychose der Oſt-mark in jenen Jahrhunderten. WieHungersnot und Pest, so wurde derTürke dem österreichischen, steiri-schen und kärntnischen Bauern zumapokalyptischen Reiter; ja. die Maß-senangst ergriff sogar Gebiete, dieder Türke niemals betreten hat,bayrische und schwäbisch Land-schaften bis zum Quellgebiet derDonau.¹)
Den von unheimlicher FurchtVerfolgten, von weltlicher Gewaltvöllig im Stich Gelassenen blieb nurzweierlei: ständige Flutchbereitschaftund die Appellation an die gött-liche Hilfe. Sie wählte sich dabei dieverschiedensten Formen. Im Bundemit dem Papsttum erstrebte sieden Beistand Gottes durch die Türkenbitte im allgemeinen Kirchen-gebete, durch die Spende von wächsernen Türkenschwertern( z. B. inSer Ettendorfer Kapelle bei Traunstein 2) oder durch das 1456 vonBapst Calixt III, angeordnete„ Türkenläuten", das jahrzehntelang täg-lich um die Mittagszeit jeden frommen Christen zur Unterbrechungseiner Arbeit und zum Gebet verpflichtete.
Zur Fluchtbereitschaft aber nötigten besondere Türken- Mahnmale.Alls solche galten die„ Türkenketten", wie die an der Kirche westlich
1) Vergl. J. Bärtle, a. a. O.2) Vergl. G. Schreiber, a. a. O.