Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde46 (1941) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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46 (1941) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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plätscherte, er redete, aber in einer dem Menschen unverständlich, ge-heimnisvollen Sprache, wie die gesamte übrige Natur, ja, wie dieGottheit selbst, die in den Stimmen der Natur zum Menschen in Be-ziehung trat.

Webinger hält es für möglich, daß man in alter, er meintwohl in frühgermanischer Zeit einzelnen Hausgeistern menschliche Se-stalt gegeben und sie als geschnitzte Holz-figuren im Wohnraume aufgestellt habe.Das trifft bestimmt auf den Brunnen-geist nicht zu. Er wohnte im Brunnen-stock. In seinem Kärntischen Wörterbucheweist M. Lerer schon 1862 darauf hin,

Aufu. F. Günther

Abb. 1. Gedenktafel mit Tür-kenkopf, Gmünd, Nieder- D.

Ich fand unlängst diese Darstellungindirekt durch die Versicherung einesOberfärntner Bauern bestätigt, nach derheute noch in Kärnten herrschenden An-schauung sei der Lattermann nicht dieauf den Brunnen aufgesetzte Figur, son-dern der in der Erde eingelassene Brun-nenstock. Unverständnis für den im Un-terbewußtsein des Volkes fortlebendenaltgermanischen Animismus hat also inder jüngsten Vergangenheit den Wohnsitzeines Geistes zu seiner Verkörperunggemacht.

Die frühesten Erwähnungen desLattermanns reichen ins 13. Jahrhun-dert zurück, und in dieſen Erwähnungenist keine Spur mehr davon zu erkennen,daß der Tattermann ursprünglich einHausgeist war. Aus dem Hausgeist istein Kobold oder ein Narr geworden.Der Bedeutungswandel erklärt sich, wie auch Webinger her-vorhebt, aus dem um einige Jahrhunderte vorausliegenden Wechselder Religion der Deutschen. Die Diskreditierung alles in heidnischer Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischerZeit Hochgeschätzten, der Verehrung für würdig Befundenen, war einesder Arbeitsgebiete der intensiven Miſſion während dieſer Jahrhunderte.Die Diskreditierung begann bei den Göttern und endete bei den Haus-geistern. Gelang es nicht auf Anhieb, die Nichtexistenz zu beweisen, somußten zum mindesten Macht und Güte in Frage gestellt und nega=tive Charaktereigenschaften supponiert werden. Das Unternehmen wirdbei manchem Gott und bei manchem Hausgeist, z. B. beim Brunnen-geist, nicht leicht gewesen sein. Daß die Bauern schon dazu gelangtwaren, letzteren in einer Brunnenfrage zu verkörpern, ist wohl möglich.Sollte der von A. V. Issa tschenko( Eine Schrecklarve aus Kärn-ten", Wiener Zeitschrift für Volkskunde, 1935, 6. Heft) gegebene, vonRud. Kriß( Eine Schrecklarve aus Oberösterreich", Wiener Zeit-