Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde45 (1940) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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45 (1940) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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sonderen Wert, daß er für viele Spiele das Vorkommen um 1860 be-zeugt. Von der Schwarzen Köchin sagt er, daß sie in seiner Jugendnicht bekannt war. Dafür bemerkt er zur Kuchelfrau, die in den glei-chen Kreis gehört, daß ſie in den sechziger Jahren des vorigen Jahr-hunderts gern gespielt wurde, heute aber ausgestorben zu sein scheine. ·Über zweihundert Spiele hat Lehrer Alfred Swoboda zuſammen-getragen, wobei freilich manches nicht Vodenständige mit angeführtwurde. Einen schönen Beitrag lieferten Schüler des 18. Bezirkes, dieauf Veranlaſſung des Bezirksschulinspektors Fellner in frischer Artihre Kugelspiele beschrieben, wozu sie auch Zeichnungen anfertigten.Von Einsendungen der Bezirke Waidhofen a. d. Tha y a undZwettl ist sehr wenig erhalten geblieben.

Auch in ihrem trümmerhaften Zustande besitzt die Sammlung des Land-schulrates für uns großen Wert, nicht nur durch den stofflichen Inhalt, sondernauch weil sie genug Gelegenheiten für Beobachtungen bietet. Ein Gutteil derLehrer kann bei einiger Vorbereitung und Eignung gute Ortsſammler abgeben.Die Lehrerinnen sammeln vorwiegend Mädchenspiele, während die Lehrernicht nur Knabenspiele aufzeichnen. Troß den ungünſtigen Begleiterscheinungenerweist die Sammlung, daß Niederdonau einen reichen Grundſtock alter, boden-ſtändiger Spiele besitzt. Infolge der Fragestellung find die Spiele des Kleinkindes-und solche mit Tieren und Pflanzen ſaſt gänzlich unbeachtet geblieben, dochbietet die Sammlung fo viele Gemeinschaftsspiele, daß Niederdonau auf die-sem Gebiet weit besser dasteht als alle anderen oftmärkischen Gaue. Die Samm-lung ist in den Jahren 1932-1935 abgeschrieben und verzettelt worden, sodaß der Gaustelle für Spielforschung bereits jekt brauchbare Unterlagen zurVerfügung stehen.

3. Der Atlas der deutschen Volkskunde steuert fürbestimmte Einzelheiten des Kinderspielgutes reichlichen Stoff bei. Vonden Fragen gehen uns hier besonders folgende an: 12-15( Kinder-wiege), 16 und 17( Kinderbringer), 49, 55, 124( Redensarten um dieKinder vom Laufen ins Getreidefeld abzuhalten, vom Brunnen fern-zuhalten oder sonst wie zu ängstigen. 59, 60( Sprüche und Namen fürMaikäfer und Marienkäfer) 2), 120-122( Ostereierbräuche undSpiele), 123( Baſtlöſearten und Spiele( Reime). Die Verarbeitungder Aufzeichnungen ist aber nur durch ergänzende eigene Sammelarbeitmöglich, die dauernd die Einsendungen wertet und nachprüft. Eineverneinende Antwort bedeutet nur, daß der Einsender das Gesuchte imOrte nicht feststellen konnte, nicht aber deſſen tatsächliches Fehlen.

4. Die Leitung der Landes sammlungen von Niederdonauhat im Jahre 1926 an alle Gemeinden einen heimatkundlichen Frage-bogen gesandt, in dem auch nach Spielen, Liedern, Tänzen und Sprü-

2) Vgl. Zeitschrift für deutsche Volkskunde 3, 1939.