Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde45 (1940) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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45 (1940) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Und nun noch ein paar Worte zur Art der Aufzeichnung undzur äußeren Form des Märchens. Ich habe die Erzählung der FrauSeeböck wortgetreu mitſtenographiert. Manches, was im Schriftbild alsHärte klingen mag, erklärt sich daraus, daß das Märchen eben gespro-chenes Wort ist. Ich habe mich verpflichtet gefühlt, auch nicht ein Wortan der Erzählung der alten Frau zu ändern und ſo ſteht es nun hier,wie sie es mir erzählte. Es ist nicht einheitlich in seiner Mundart,weil die Erzählerin doch schon so lange in Wien gelebt hat, daß dieWiener Umgangssprache auf ihre heimatliche donaubayriſche ui- Mund-art abgefärbt hat. Es läßt sich auch nicht verleugnen, daß die Schrift-sprache in manchen Wendungen durchschlägt, die Erzählerin ist eben zurStädterin geworden und wir dürfen nicht vergessen, daß ſie Lehrerinwar. Trotzdem habe ich die Erzählerin gebeten, mir in ihrer heimat-lichen Mundart zu erzählen, so wie sie es als Kind hörte und wie siees in ihrem Heimatdorfe oft und oft erzählt hatte, wenn ihre Schul-kinder besonders brav gewesen waren.

Zum Romreisen".

Von Hansjörg Koch, Köln.( Mit einer Kartenſkizze.)

Seit der Abfassung des kleinen Beitrages in der Berliner Zeitſchrift fürVolkskunde 7( 1937), 153 ff., in dem ich für das Romreifen ein vielhundert-jähriges Alter nachweisen konnte, sind mir noch mehrere Belege für Rom-reisen und Kirtareiten" 1) bekannt geworden, die eine genauere geographischeFestlegung erlauben( siehe Abb. 1). Danach handelt es sich beim Romreisen"um ein ausgesprochenes Salzburger und Innviertler Spiel, während das Kirtareiten" nur im Wechselgebiet bekannt zu sein scheint. Andere Belege, dieden weiten Zwischenraum überbrücken könnten, habe ich nicht gefunden.

Die Darsteller find ein Ehepaar und zwei andere Personen, die Frau iſt,wie immer, ein verkleideter Mann. Der Ehemann kommt auf einem Schemelreitend zur Tür herein mit der Mitteilung, daß er nach Rom reise. Er frägt,wie weit er noch habe, und bekommt die verschiedensten, ganz unsinnigen Ant-worten. Indessen kommt auch das Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib in gleicher Weise herein, frägt das-selbe und erkundigt sich, wie weit ihr Mann voraus sei. Nachdem auch sie aufdie mannigfaltigste Art abgefertigt worden ist, reist sie weiter. Der Mannschaut öfter um und spricht laut bei sich selbst: Da reist auch ein altes Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weibnach Rom." Wie sie sich ihm nähert, erkennt er sie, ohne von ihrer Reiſe etwas

1) ZfV. 14( 1904), 374 f: Gilgenberg im oberen Innviertel; 3sö. 16( 1910), 129: Plainfeld, Koppel, Hof, Siezenheim und Wals um Salzburg;Heimatgaue 3( Linz 1922), 147: Ungenach im Hausruck; ZföV. 21( 1915), 114 f.:Trattenbach und Kranichberg am Wechsel.