Zu den Aufgaben der Volksforschung im
pannonischen Raum.
Von Arthur Haberland t, Wien.
Die von E. Fél im Anzeiger der ethnographischen Abteilung desUngarischen Nationalmuseums( A Neprajzi Muzeum Ertesitöje, Jg. XXXI,1939, S. 65-72) erfolgte Erwiderung auf obgenannten, in unserer Zeit-schrift, Jg. 44, 1939, S. 1 ff., veröffentlichten Aufsatz betrachtet nicht nurdie Schriftleitung der„ Deutschen Forschungen in Ungarn"( Budapest 1939),S. 171 f., in einer sachlichen Würdigung als sehr fördernd für die deutsch-magyarischen ethnographischen Forschungen. Es scheint vielmehr geboten,auch die Leser unserer Zeitschrift über die Stellungnahme und die sach-lichen Ergänzungen, die dort beigebracht wurden, auf dem Laufenden zuhalten. Zur Kulturgeographie des Rofen- und Sparrendaches hat sichS. Bátky danach im obgenannten Anzeiger, 1937, H. 3-4, weiter ver-breitet, ebenso dort 1931, H. 4, über die„ pseudooberdeutsche" Hausent-wicklung gehandelt. Da die knappen deutschen Zusammenfassungen überden ausführlicheren Inhalt der magyarischen Texte nichtmagyarischen For-schern immer nur beiläufigen Aufschluß geben mögen, sei insbesondere aufeine hauskundliche Arbeit des Genannten in den„ Ungarischen Jahrbüchern“,1938, H. 2-4 verwiesen, ferner auf einem Aufsatz in französischer Sprachevon St. Györffy in der mit„ Földr. Közl. 1935, 9-10" von Fél zitiertenZeitschrift. Ohne weitere Nachweise führt F. die Anfertigung von Stollen-truhen bei den Paloczen Oberungarns an und bringt den Namen„ szökröny"( Schrein) und den Gegenstand in Transdanubien mit den„, französischenKlosterbrüdern" zusammen, die sich seinerzeit dort niederließen, ohnejedoch hierbei Örtlichkeit und Werkstattüberlieferung anzuführen. Hiezuwäre fortzuschreiten, so wie neuerdings in Süddeutschland die Geschichteder Möbelmalerei aus den Archivquellen sozusagen biographisch festgelegtwerden konnte.
Denn die Paloczen stehen kulturgeographisch nicht allein im Karpathen-bogen. Sie haben ihre Sitze in der Nachbarschaft der„ Gründe", die imMittelalter von der Zips aus mit deutschen Siedlern und Handwerkernausgestattet wurden, wie etwa Bartfeld. Nun sind Stollentruhen im Karpa-thenraum immer wieder im Umkreis alter deutscher Kulturlandschaften beiden fremdsprachigen Anrainern zu finden, so bei den Rumänen, dagegenverfertigt die Mehrzahl der den Paloczen stammesverwandten Slowaken sieebensowenig wie die polnischen Goralen. Auch sind nirgendwo so alteBeispiele in anderssprachigem Volkstum zu finden, wie die prächtigenStücke„ romanischer" Stilprägung, die die Siebenbürger Sachsen unterihren kirchlichen Altertümern aufweisen. So muß die geschichtliche Auf-