Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde44 (1939) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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44 (1939) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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jungen Zweiglein des Zwetschkenbaumes, einer Haselstaude odereines Kirschbaumes geflochten werden, ein ganz ähnliches Aus-sehen haben dürften 4). Die zwei Nelkensprosse deuten wohl aufdie Vereinigung in diesem Zeichen hin und der Rosettenstern in-mitten jedes Kränzleins erinnert uns an den Spruch, mit dem derBrautvater den Vater des Bräutigams, der mit den Svaten inseinem Hause übernachtet hat, zum Abschluß der Verlobung amMorgen bei Sonnenaufgang begrüßt: Mit der Sonne komme unsjegliches Glück 5). Diese brauchtümliche Auslegung wird vor allemdurch die Bildszene im Mittelfeld begründet, die auf vier Streifenübereinander in angenähert gegengleicher Gruppierung immerwiederkehrt. Auf einem freien Platz, den Blumensprossen um-säumen, ist ein Bauwerk aus einem luftigen Balkengerüst errichtet,das am ehesten einem Mimbar oder Kanzelbau gleicht, wie sie inden Moscheen der ehemaligen europäischen Türkei von Ost bisWest verbreitet waren. Zu dem einen Aufgang desselben ist gegen-gleich auf der anderen Seite eine zweite Treppe errichtet. Was amMimbar noch als holzgezimmertes Dächlein hergebracht ist, er-scheint hier in der Urgestalt eines luftigen Zeltdaches oder Balda-chins, an dessen Spannseilen waagrechte Tuchstreifen in Ringformübereinander befestigt sind. Zuoberst weht unter dem Stern an dermittleren Zeltstange ein Fahnentuch im Winde. Auf öffentlichemPlatz vergleicht sich ein solcher Bau wohl am ehesten den deut-schen Verkündhallen und Tanzlauben auf dem Dorf. Es wäre nuneinmal kulturgeschichtlich klarzustellen, welche Bauformen in denBalkanländern das Vorbild zu unserer Darstellung abgegeben habenmögen und auf welchen Kulturwegen umgekehrt die Umwandlungder alten Tanzboden im deutschen Volksbereich in ,, Pavillons" vorsich ging, um die richtige Verknüpfung zwischen Ost, Süd undWest herstellen zu können. Zu den beiden Aufgängen laufen überden Platz zwei Zierstreifen hin, die nach ihrem welligen oder zacki-gen Muster folgerichtig als Teppiche zu deuten sein werden. Eskommt jeweils ein Paar auf sie zu stehen, das sich an der Handhält und zum Tanz angetreten scheint, zu dem der Geiger nebenanauf dem Brumbaß aufspielt.

Beide Tänzer ein Mann und ein Mädchen

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sind gleichartig

4) E. Lilek: Vermählungsbräuche in Bosnien und der Herzegowina.Wissenschaftliche Mitteilungen aus Bosnien und der Herzegowina VII( Wien 1900), S. 323.

5) Ebenda, Seite 307.