Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde44 (1939) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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44 (1939) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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an diese Kraftströme dichterischen Hochgesangs von adeliger undzugleich volkstümlich patriarchaler Lebensführung in alten Zeitenerinnert, wenn man sich mit beschaulicher Betrachtung in die Bild-streifen einer mit farbiger Seidenstickerei gezierte Schmuckdeckevertieft, die vor Jahren mit der Bezeichnung Bosnien in den Be-sitz des Museums für Volkskunde in Wien gelangt ist( Abb. I).

Jedenfalls stellt die Decke ein Werk südslawischer Volks-kunst vor, das in wunderlich eigener Dichtart", um Goethes Be-merkung darauf anzuwenden, Kunsterbe aus Ost und West fest-hält und bodenständigem Lebensstil gemäß verschmilzt. Es lohntsich wohl, dies im einzelnen aufzuhellen und zugleich den Versucheiner Auslegung des sinnbildlichen Gehaltes dieser Stickerei, dersich offenbar auf hochzeitlichen Volksbrauch bezieht, zu unter-nehmen.

Das Tuch ist aus 90 cm breitem stark nachgedunkeltem bos-nischen Hausleinen gefertigt. Die Webkanten sind oben und untengegeben. Es zeigt 80 cm breit abgerissen nahezu quadratischeForm und dürfte nach abgetropften Wachsflecken zu schließenetwa als Decke bei irgendeiner feierlichen Handlung Verwendung.gefunden haben. Darauf weisen auch die vier Bildstreifen hin, diein Flachstich mit bunten Seiden ausgefertigt gleichartig auf derVorder- wie der Rückseite erscheinen. Sie werden in Geviert voneiner Zierborte eingerahmt, die an jeder Seite von vier großennelkenartigen Blütenkelchen in Seitenansicht abwechselnd mitvier Kranzgebinden gebildet wird, welch letzteren je zweikleineren Nelkenblüten beigestellt sind. Die großen Nelkenblütensind rot gefärbt, nur in einer Ecke stehen drei blaue zusammen.Ob sich in dieser Farbenwahl der Bezug auf ein örtliches Her-kommen der Griechisch- Orientalen Glossar ::: zum Glossareintrag  Orientalen in Bosnien oder der Herzego-wina herstellen läßt, demzufolge bei der Trauung( venčanje") inder Kirche die Braut einen künstlichen weißen Kranz, der Bräu-tigam einen ebensolchen roten oder blauen erhält, bleibe dahin-gestellt, kaum wohl aber ist die Farbenwahl eine zufällige. Ebensobedachtsam erscheint uns die Rahmung der Kränzlein, von denennur zwei hellrot, die übrigen gelb oder blau gestickt sind, mit jezwei Nelkenblüten, die abwechselnd weiß, gelbe und blaue Farbehaben. Die zwei Blattwedel, aus denen die Kränze geformt sind,zeigen hergebrachte Zopf- Stilform, die aber insofern als volksnahangesehen werden muß, als die zwei Kränze, die bei den Grie-chisch- Orientalen Glossar ::: zum Glossareintrag  Orientalen zur Hochzeitsfeier im Hause des Bräutigams aus