42
Einfache Formen). Als den wesentlichen Zug des Rätsels, wie esin der Gegenwart lebt, stellt Jolles fest, daß das„ Wissen“ jetztbeim Ratenden,„, im Augenblick da die Frage gestellt wird, schonvorhanden" ist.
Das letzte gilt für die Mehrzahl der noch„ lebenden“ Rätsel,die dem Bereich des Mythischen angehören. Wir müssen dem-nach diese Rätsel, die Mythisches zum Gegenstand ihrerFrage machen, als in ihrer inneren Haltung, ihrem Wesen und Wol-len gesunkene Kunstschöpfungen ansehen,( ,, Gesunken“ nicht imSinne der Naumannschen Zweikulturentheorie!) Andererseitsstellt uns diese Tatsache die gewiß nicht leichte Aufgabe, aus denvorhandenen„ mythischen" Rätseln den alten mythischenCharakter wieder herauszulesen.
Ältestes mythisches Gut scheinen die Rätsel zu bergen, diesich der Gestalt der Mutter als„ Rahmenelement“ bedienen undals Auflösung„ Erde" 3) und„ Mutter Erde" 3) haben. Die kürzesteFassung ist wohl diese:
,, Meine Mutter hat viele Kinder, sind sie groß, verschlingt siesie"( Frischbier, s. Anm. 3).
Der Gedanke der Zusammengehörigkeit im Sinne eines ver-wandtschaftlichen Verhältnisses ist allen diesen Rätseln gemein-sam. Schon das Possessivpronomen„ mein“ in der obigen Fassungbezieht den Rätselstellenden in diesen Kreis mit ein. Das tut nichteine Variante, die sich bei Tetzner( s. Anm. 3) findet:
,, Ist eine Mutter, die hat viele, viele Kinder,
Und wenn sie groß sind, verschlingt die
Mutter ihre Kinder."
Andere Varianten dieses Rätsels führen den letzten Gedanken,daß ,, die Mutter ihre Kinder" verschlingt, weiter. Die eine diebekannteste bringt Religiöses mit hinein, die andere wohl diemerkwürdigste und philosophischste verbindet den Vorgang des
-
Vergehens mit dem Ewigkeitsgedanken. Hier dürfen wir vielleicht
-
3) Insel- Bücherei Nr. 494. Das kleine Rätselbuch( deutsche Volks-rätsel), hrsg. von Kurt Brzoska, Nr. 8.-H. Frischbier, Die Menschenweltin Volksrätseln aus den Provinzen Ost- und Westpreußen. Zeitschr. f.deutsche Philologie, 23. Bd.( 1891), Nr. 178. Willy Hermann, Das großeRätselbuch. 63. T. Hamburg 1931, Nr. 72. Karl Simrock, Das deutscheRätselbuch. 3. sehr verm. Aufl. Frankfurt a. M. 1874, S. 8. Lisa Tetzner,Deutsches Rätselbuch. Aus alten und neuen Quellen gesammelt. Jena 1924,S. 18.