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mächtnis für sich gerettet. Ich war zuerst enttäuscht, als mir dieAhn von dem„ Büchl“ erzählte. Ich dachte an ein Flugblattmärchen,eines jener billigen Heftchen, die gegen Ende des vorigen Jahrhun-derts in einem Winkelverlag in Budapest erschienen sind und derenSpuren man in jedem Dorfe treffen kann. Dann hatte ich das„ Büchl“in der Hand. Die Verkleinerungsform stand in einem seltsamen Ver-hältnis zu seinem Umfang und zu seiner beträchtlichen Dicke. Aufdem vergilbten Deckel stand:„ Christliches Hausbuch oder dasgroße Leiden Christi" und ein langer, barock verschnörkelter Unter-titel. Zuletzt stand noch:„ ,, Dem allerdurchläuchtigsten, großmütig-sten, unüberwindlichsten Fürsten und Herren Carolo, dem sechstendieses Namens gewidmet, 1740." Aus diesem Buche las die Mutterder Pallanik Ahn vor und weil die Kinder die barocke, über-schwängliche Sprache nicht verstanden, erzählte sie nachher mitwenigen schlichten Worten, was sie eben gelesen hatte. Da wurdendie biblischen Gestalten zu Menschen von Fleisch und Blut. DieAhnl erzählt nun beim Federnschleißen von Josef und Maria, vonElisabeth und Johannes. Aber es ist ganz seltsam, daß sie nicht jeneGeschichten herausgreift, die in den Evangelien besonders stark her-vortreten und für die Lebens- und Leidensgeschichte Christi be-deutsam sind, sondern daß sie sich an das kleine mythologische Bei-werk hält, das überall durchwuchert und sich um ganz nebensäch-liche Ereignisse rankt. Sie erzählt diese Mythen mit derselben tiefenGläubigkeit, mit der sie Märchen erzählt. Ich habe das Buch durch-geblättert, ich könnte mich in diesem Schwulst von barockenFormeln und Gebeten nicht zurechtfinden. Die Ahnl und ihre Mutterhaben mit sicherem Gefühl das Echte und Volkstümliche heraus-gespürt.
Allen jenen, die es nicht glauben wollen, daß sich Märchen durchmündliche Überlieferung unversehrt und folgerichtig weitervererbenkönnen, würde ich raten, die zwei„ Blinden Madln" in Gánt aufzu-suchen. Es sind dies zwei alte Mädchen, die seit ihrer Geburt blindsind. Sie sind natürlich nicht imstande gewesen, lesen oder schrei-ben zu lernen. Diese zwei armen Geschöpfe können nicht vielarbeiten, nur im Sommer bringen ihnen die Bäuerinnen ihre kleinen,, Polsterkinder" zur Pflege, wenn sie sie nicht mit auf das Feldnehmen können. Im Winter werden sie oft zum Federnschleißeneingeladen, weil sie nicht nur ausgezeichnet erzählen, sondern auchsehr alte und schöne Lieder singen können. Auf Hochzeiten, Taufen