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war einmal mit ein paar Gefährten auf dem Heimweg. Am Abendgingen sie fort, 20 Kilometer hatten sie zu wandern. Als sie weg-gingen, fing der Alte ein Stückchen an und als sie im Morgengrauennach Gánt kamen, war er noch immer nicht fertig. Sie setzten sichvor der Kirche ins Gras und gingen nicht früher heim, bis der Altezu Ende war. Er hat da noch eine halbe Stunde weiter erzählt. In-zwischen war es heller Tag geworden. Aber die Zuhörer konntensich nicht trennen. So sehr hatte sie seine Erzählung gefesselt. DemVater der Pallanik Ahnl wird Ähnliches nachgesagt. Er war uner-schöpflich im Erzählen.
Die Ahn ist heute 63 Jahre alt. Es ist über ein halbes Jahr-hundert vergangen, seit sie ihre Geschichten hörte, aber sie hat keinWort vergessen. Ich habe ein und dieselbe Geschichte zweimal auf-geschrieben. Dazwischen lag ein halbes Jahr. Das ist an und fürsich nicht viel. Es zeigte sich aber, daß die Ahn nicht nur inhalt-lich nichts geändert hatte, sondern daß sich die zwei Fassungen ingroßen Teilen sogar Wort für Wort decken. Es ist ja bekannt, daßder Straßenkehrer Tobias Kern auch nach zehn Jahren nichtsWesentliches an seiner Erzählung geändert hatte. Daß die Ahnl sicheinen bestimmten Wortlaut zurechtgelegt hat, ist sehr verständlich.Sie hat jedes Märchen schon unzählige Male erzählt, wenn dieFrauen beim Federnschleißen in ihrem Hause zusammenkamen undvor allem, wenn sie ihre Kinder und Enkelkinder baten:„ Ahnl, ver-zählts was!" So haben ihre Märchen schon eine bestimmte Formangenommen, an der sie treu festhält und von der sie nie abweicht,es sei denn, daß sie manche Szenen einmal besonders anschaulichausmalt, wenn ihr ihre Zuhörer besonders aufmerksam und willigfolgen. Das ist die Regel für alle guten Erzähler, die ich kennen-lernte, daß sie mit unwandelbarer Treue an der einmal gefundenenForm festhalten. Diese Form unterscheidet sich inhaltlich fast nievon dem ererbten Überlieferungsgut, nur einzelne Wendungen undRedensarten spiegeln die besondere Eigenart des jeweiligen Er-zählers.
So wie sie die Ahnl vor einem halben Jahrhundert gehört hat,erzählt sie ihre Märchen weiter. Sie hat sie nie gelesen, sie hat sieaus mündlicher Überlieferung aufgenommen und trägt sie mündlichweiter. Auch die Eltern verdankten sie keinem Buche, sondern siestanden mitten im ewigen Strome lebendiger Volksüberlieferung.Es ist ja nicht wahr, daß das Volk unbedingt Bücher als Gedächtnis-