Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde44 (1939) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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44 (1939) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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hene Bauern, die es weiter überlieferten, sind es endlich nur mehrarme umhergestoßene Dienstboten, Schweinehirten, Kleinhäusleroder gar Landstreicher. Das ist der Endpunkt der Entwicklung.Nachher kommt nur mehr vollständiges Vergessen. So steht esgegenwärtig in unseren Alpenländern. Schaun wir uns nur die Men-schen an, die in unseren Gegenden noch Märchen erzählen. Da istdie Hundsmoidl aus dem oberen Murtale, eine Bettlerin, die vonHaus zu Haus zieht, der krumpe Hois, ein Dienstbotenkind ausRinegg und der blinde Hirtl aus St. Lamprecht) oder der BinderHans aus Trebesing) bei Gmünd, der den Sommer über Ochsen-halter auf den Almen in der Umgegend war, da er für eine rechteBauernarbeit zu schwach geraten war. Es sind die Unglücklichen,die Abseitigen in der Gesellschaft. Die Erwachsenen, die ursprüng-lich die eigentlichen Zuhörer gewesen sind, hören nur mit einemüberlegenen Lächeln beim Erzählen zu, sie geben sich überhauptnicht mehr damit ab oder sie machen die Märchenerzähler vor derGemeinschaft lächerlich. Das Märchen muß seinen Platz in der Ge-meinschaft der Erwachsenen räumen und sucht sich eine dankbarereZuhörerschaft in den Kindern. So wird das Märchen zur Kinder-geschichte. In den Sprachinseldörfern sehen wir die einzelnenEntwicklungsstufen nebeneinander. Was im deutschen Mutterlandeals ein Nacheinander, als ein schrittweises Absinken zu denken ist,ist hier nebeneinander aufgerollt. Wir können deutlich verfolgen,wie die Einflüsse der Großstädte das Märchen in eine Rückzugs-stellung drängen. Das Schwinden der Märchenfreudigkeit deckt sichgeographisch genau mit der Annäherung an die Städte und die gro-Ben Verkehrswege. Die zersetzenden Einflüsse städtischer Zivilisa-tion haben das Märchen in seinem Lebensnerv, in seiner schlichtenGläubigkeit, getroffen.

In den Sprachinseldörfern, die dem Durchgangsverkehr völligerschlossen sind, ist das Märchenerzählen fast ganz verstummt.Das Schwergewicht innerhalb der einzelnen Gattungen volklicherErzählkunst verschiebt sich. Das Märchen tritt zurück, dafür über-wiegen Schwänke und Sagen. Sie sind wirklichkeitsverbundenerund bescheidener in ihren Ansprüchen an das Können des Erzäh-

6) Deutsche Märchen aus dem Donaulande, hsg. v. P. Zaunert, Jena1926, Die Märchen der Weltliteratur. S. Einleitung.

7) Einige seiner Märchen sind von R. B ünker in den Donaulandmär-chen veröffentlicht. Das übrige habe ich aus dem handschriftlichen NachlaßBünkers zur Bearbeitung übernommen.