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Auch heute noch wird das„ Verschreien” sehr gefürchtet. DiePerson, die das Kind verschrien hat, kommt am dritten Tag wieder.Bewunderungsausdrücke eines Besuchers werden mit großem Miẞ-trauen aufgenommen und ängstlich abgelehnt. Gegenmittel gegendas Verschreien sind: im Kinderzimmer wird Glut mit Weihrauchaufgestellt; dem Kinde bindet man eine rote Masche um; einRosenkranz oder sonst etwas Geweihtes wird dem Kinde unter-gesteckt.
Wenn ein Kind die„ Brüstln” angeschwollen hat, sitzt die„ Drud" auf ihm. Da streut man, um ihm Befreiung zu bringen,Grieß vor die Stubentür, und zwar am Abend, sobald kein Haus-genosse mehr aus der Stube geht. Wenn nun die Drud kommt, mußsie die Grießẞkörner aufklauben und kann daher nicht mehr zumKinde kommen, das auf diese Weise erlöst wird. Man darf daskleine Kind auch nicht in den Spiegel schauen lassen, da schautder Teufel heraus. Wenn einmal das Kind aus der Stube getragenwird, läßt es die Mutter nie ohne Weihbrunn über die Türschwelle,denn drauẞen lauert der Teufel.
Dem sterbenden Kinde holt man die Taufgo'l, es kann nichtfrüher sterben. Auch, wenn die Eltern mit jemandem in Feindschaftleben, kann das Kind nicht sterben; die Eltern müssen sich ver-söhnen. Dem sterbenden Kinde gibt man eine Kerze in die Hand,bis es tot ist. Nun brennt neben der Leiche das Oellamperl, Weih-wasser mit einem Strohährenbüscherl wird zu Häupten hingestellt,damit die Besucher die Leiche besprengen können, von allen Ver-wandten werden viele Heiligenbilder auf die Leiche gelegt. DieGo'l kauft den„ Ueberton” und das„ Kranzl" für den verstorbenenTäufling und legt ihm ein Wachskreuz auf die Brust. Leichenträgerfür ein Knäblein ist ein größerer Knabe, der einen grünen Kranzum dem Arm hat, ein Mäderl wird von einem weißgekleidetenMädchen, das den grünen Kranz im Haar hat, zum Friedhof ge-tragen. Der Vater macht mit der Totentruhe über die Türschwelledreimal eine kreuzweise Schwingung nach unten. Die Mutter gehtnur dann„ mit der Leich", wenn sie schon„ vürgonga” ist. Das ge-storbene Kind wird unter die Engel aufgenommen, daher soll manes nicht beweinen; sonst brennen es die Tränen; im Himmel ist dasKind ja„ am bestn aufghebt".
Wenn aber die Mutter, die„ Sechswöchnerin" nämlich, inihrem Zustande stirbt, soll man ihr Schuhe anziehen, denn siegeht den geraden Dornenweg in den Himmel.