Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde41 (1936) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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41 (1936) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Wiese und Feld in Villgraten.

Von Maria Lang- Reitstätter, Wien.

II.

Das Feld.

Acker" ist das Gebauete, ganz gleich, was darauf angebautwird. Sechs Jahre baut man um, dann wird es Egerte. Es bleibtliegen und wird abgemäht. Feld" ist das ältere Gemähte. Mit Feldbezeichnet der Bergbauer aber auch seinen gesamten Grundbesitzbeim Haus( ohne Wald). Gegen den Wald zu ist der Abhang oftschon so felsig, daß nur mehr spärliches Gras wächst. Das ist der Ran". Er wird nur einmal gemäht, dann gehüetet( das Viehweiden gelassen).

Steinmauern schützen die steilen Abhänge an gar zu jähen Stellen.Sie fallen von Zeit zu Zeit nach vorn. Der Berg schiebt nach. Sie müssenwieder aufgebaut werden, soll nicht das Erdreich nachrutschen. Unangenehmist das, wenn es mitten im Sommer, beim gröaschten Ginöet sein muß! Undgerade um diese Zeit verursacht manchmal ein wildes Gewitter einenErdrutsch.

Wald.

Auf der Schattseitn wächst meist bis zum Talboden herunter dichter

Im Almgebiet liegen auch Grasflecke, die zu mähen sind. Die nenntder Bergbauer Wiese. Heutzutage sät schon jeder Bergbauer einige Kunscht-wiesen in der Nähe des Hauses.

Die Bergbauern bauen etwas Roggen, wenig Waze( Weizen),mehr Gerschte, etwas Hafer. Erpfl, Haar( Flachs), Hanif, etwasErbsen, Linsat und Boahn( Saubohnen), Mogn( Mohn), viel Kraut-rüben, ein paar Runkelrüben für Kühe und Schweine, Salat undSchnittlauch im Kräutergarten. Keinen Kohl, keinen Kohlrabi, keineTomaten. Man sieht keine Kürbisse, Gurken, Stock- oder Stangen-bohnen( diese wachsen nur am Lande, in Sillian), keinen Hopfen,keinen Mais( auch nicht grün als Frischfutter). Die Obstzucht istfast null, keine Zwetschken, keine Nußbäume, schon gar nichtPfirsichbäume. Birnen- oder Aepfelbäume und Kirschbäume sindnur einige im ganzen Tal. Das Frühjahr ist zu spät daran imHochtal.

Am 14. Juli blüht im Winkeltal noch ein Kirschbaum! In Villgratenwerden lei mir roat¹), nit die Aepfel", sagte eine Bergbäuerin.

Johannisbeeren werden nicht gesetzt, würden aber gedeihen. Eswachsen sogar einzelne wilde Johannisbeersträucher( Ribes alpinum) aufsonnigen Waldlichtungen. Obst ist für die Bergbauernkinder ein seltener, jafür viele ein ungekannter Genuß. Nur die Waldbeeren können sie klauben.

¹) ,, Werden nur wir rot.