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persönlicher Unterricht, sonst kommt höchstens ein Zerrbild heraus. Undzweitens soll das Trestern auch dort bleiben, wo es beheimatet ist und nichtbei allen möglichen Gelegenheiten von Leuten getanzt werden, die keineinnere Beziehung zu diesem Tanz haben. Das geheimnisvolle Etwas, das dieLebenskraft eines uralten, gewachsenen Volksbrauches ausmacht, ist garleicht zerstört. Da kann ein„ Betrieb“ nur schaden. Gottseidank besteht keineGefahr, daß die Ueberlieferung im eigentlichen Heimatboden des Tresternsabreißt. Deshalb braucht keine Wiederbelebung oder gar ein Unterrichtaußerhalb des Pinzgaues einzusetzen. Der Wissenschaftler freilich hat einRecht darauf, Näheres über diese hochaltertümliche Tanzform zu erfahren,um mit seinen Urteilen auf festem Boden zu stehen. Bisher gab es aberniemanden unter ihnen, der das Trestern wirklich selbst konnte. Deshalb wirdman die gesamte Literatur auch vergebens nach verläßlichen Angaben durch-forschen, die über flüchtige Augeneindrücke hinausgehen.„ Eine nähere Be-schreibung zu liefern ist nicht gut möglich, so mannigfaltig sind die Be-wegungen der Tänzer zum sanften Klange, wie zu den schrillen Tönen derbegleitenden Instrumente" 11). Das war das allgemeine Urteil. Da ich dasTrestern für besondere wissenschaftliche Zwecke lernen durfte, will ich dasWichtigste mitteilen, ohne doch Verrat am Vertrauen meiner Gewährsmännerzu üben.
Die Gruppe bestand aus 8 Tänzern, dem Vorpercht und dem Wurstl.Ueber die Eröffnung des Tanzes gehen die Angaben etwas auseinander.Meist erscheint jedoch zuerst der Wurstl, um für die nachfolgenden Tänzermit einigen Schlägen seiner Wurst Platz zu machen. Während des Tresternshat er jedoch nur eine bescheidene Rolle. Gewöhnlich läuft er im Gegen-sinn zur Bewegung der anderen Tänzer und schlägt mit der Wurst auf denBoden, als ob er etwas in die Mitte fegen wollte. Kein Wort, kein Juchezerdarf während des Tresterns ertönen. Alle tauchen geheimnisvoll auf undverschwinden wieder in der gleichen Weise.
Nun kommt der Vorpercht. Mit einigen raschen Laufschritten gehtes einmal im Kreise herum und dann beginnt ein Raketenfeuerwerk von un-geheuer schnell ausgeführten schwierigen Schritten, deren Sinn ein rhythmischständig wechselndes Taktgeräusch ist. Für die Schritte des Vorperchts gibt eskeine feste Regel. Er kann machen was er will, wenn er nur gewisse Grund-elemente beachtet. Abgesehen von den wilden Sprüngen der Schiachen dürfteauch der Vorpercht manchmal sehr hochschnellen. Das Gruppentrestern hin-gegen geschieht völlig gleichmäßig, wie dies auch Schjerning betont. Ich
11) W. Schjerning, Die Pinzgauer( Stuttgart 1897), Forschungenzur deutschen Landes- und Volkskunde, Bd. 10, Seite 250 f. Vom höchstgenau ausgeführten Tanz heißt es, daß er ,, nicht in Ortsveränderungen besteht,sondern eher ein gymnastisches Spiel mit Bewegung aller Gliedmaßen unddes ganzen Körpers, Niederkauern und Springen ist". Weitere Literatur überdie Perchtentänze: R. Hinterhuber, Der Tourist im Hochgebirge( Salz-burg 1855), Seite 39; E. Richter, Das Herzogtum Salzburg( Wien 1881),Seite 103; Prinzinger in den Mitteilungen d. Gesellsch. f. Salzb. Landes-kunde XX( 1880), Seite 116 und Bd. XXIV( 1884), Seite 285, 287; Abbil-dungen in der Zeitschr. d. deutschen und österr. Alpenvereines 1881, Seite 178,180. Vgl. ferner Ritter, Die Musik in den Alpen, Zs. d. dt. u. österr. Alpen-vereines 1889, Seite 164.