Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde41 (1936) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
41 (1936) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

7

Hier eines Ueberzähligen, wodurch der Alte mit dem Pferdefuẞseine Anwesenheit kundgibt. Man sieht, wie die Dämonenläuferselbst im Banne der Dämonie stehen.

Das Gefolge der Pinzgauer Perchten gleicht den Schiachenaller Perchtenläufe, doch verhalten sich die Tresterer selbst ganzruhig, während die Begleiter mit Schellen, Glocken, Peitschen,Pfeifen, Kuhhörnern, Ratschen und Ketten lärmen. Nach KürsingersBericht erschienen zuerst die Schiachen und räumten den Tanzplatz,dann kam der Vorpercht und tresterte allein und hierauf erst tanztedie ganze Schar. Der Dreischlag( ein Plattler) mit Musikbegleitungbeendete die Vorführung. Ganz ähnlich vollzieht sich das Tresternauch heute noch. Zuerst trestert der Vorpercht in ziemlich freierWeise, dann die ganze Gruppe und zwar zuerst ohne jeglicheMusikbegleitung( Schweigtanz) und dann zu den Klängen einesLandlers( Spieltanz). Die Schiachen beginnen zu verkümmern.Einen solchen raschen Fußschlag, mit dem der Vorpercht herein-tanzt, zeigte mir die Wieserbäurin in der Hinterglemm9). Dochsind die Schritte nicht überall gleich und besonders der Vorperchthat freien Spielraum, wenn nur der Takt stimmt. Die Alten sind oftganz verteufelte Kerle. Wer würde z. B. dem Lackner Hansin Salzburg, der auch mein Lehrmeister war10), seine Jahre an-gemerkt haben? Die Gelenkigkeit und Körperbeherrschung bei denungeheuer anstrengenden Schritten des Vorperchts war staunen-erregend. Lackner selbst lernte seine Kunst von einem gewissenEder in Zell am See. Dort soll unter den Tresterern übrigens nochein 82- jähriger großartig getanzt haben.

Ich will nun versuchen, einen Begriff vom Trestern zu vermitteln,freilich keine tanzgerechte Beschreibung zum Lernen mit allen Einzelheiten.Dazu gehört unter allen Umständen erstens einmal direkte Anschauung und

9) Vgl. R. Wolfram, Salzburger Volkstänze, Wiener Zeitschr. f.Volkskunde, Jg. 38, Seite 88: Die Schallwirkung ist ein rasches_eins- zwei-drei- Schlagen. Das Gewicht ruht auf dem linken Fuß, der rechte Fuß ist vordem linken. Nun setzt man die Ferse des rechten Fußes hart auf dem Bodenein, läßt dann die Spitze auf den Boden fallen, wodurch man sich einen kleinenRuck nach vorne gibt, und setzt nun den linken Fuß ganz steif( auf derganzen Sohle) einen winzigen Schritt nach vorwärts, wobei er aber hinterdem rechten bleibt. Die ruckweise Vorwärtsbewegung wird lediglich durchdas Einhacken der rechten Ferse erzielt( Nagelschuhe!)".

10) Ich möchte an dieser Stelle ihm und meinem anderen Lehrer HerrnRupp für alle Mühe und Bereitwilligkeit danken. 12 Stunden Trestern sindkeine Kleinigkeit. Danken möchte ich ferner Herrn Oberrevident KunoBrandauer, der die Erlernung des Tanzes ermöglichte, sowie der Alpiniainsgesamt für ihr Entgegenkommen. Auch dem Amt für Studentenwanderungengebührt herzlicher Dank für die geldliche Beihilfe. Herr Anton Maringerunterstützte mich bei der Aufzeichnung des Tanzes.