Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde40 (1935) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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40 (1935) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Vor dem Barbaratag, am 3. Dezember, soll man mit den vom Brot-kneten teigigen Händen Strohbänder nehmen, in den Garten gehen und sieden Bäumen umbinden. Diese Bänder bleiben das ganze Jahr an denStämmen. Vor einigen Jahren konnte man noch viele solche strohbebänderteBäume sehen, doch nimmt diese Sitte stark ab. Es handelt sich hier um dasweitverbreitete ,, Bamschatzen, das dazu unternommen wird, daß dieBäume reiche Früchte tragen). Schatzen" heißt soviel wie beschenken",wir haben hier ein Baumopfer vor uns. Wenn der Firmling seinen PatenGeschenke bringt, so nennt man das im Waldviertel ,, schatzen gehen.

Am Barbaratag schneiden die Leute gern vor Sonnenaufgang einenKirschenzweig ab und geben ihn in ein Wasserglas. Wenn man das Wasserfleißig erneuert, so blüht er gegen Weihnachten. Blüht er am heiligen Abendauf, so wird die Tochter des Hauses im kommenden Jahr heiraten.

Weit verbreitet war und ist zum Teil noch heute der Hexenglaube.Man sucht sich durch alle möglichen Mittel gegen bösen Zauber zu schützen.Daß die Hexen nicht in den Stall hinein können, streut man vor und hinterder Stalltür am Abend vor dem Johannistag Mohn aus. Die zahllosen kleinenKörner können die Hexen nicht einsammeln, und solange eins dortliegt, istihnen der Zugang verschlossen³).

Ein Bursche erfuhr beim Fensterln, daß die Mutter seiner Angebeteteneine Hexe sei. Während er beim Kammerfenster lehnte und mit dem Mädchenscherzte, rief plötzlich die Mutter, welche von seiner Anwesenheit nichtswußte, ihrer Tochter zu:, Steh g'schwind auf, beim Nachbar hab'n sie g'radein Kalbl bekommen!" ,, Was habts denn ös damit z'schaff'n?" fragte er ver-wundert. ,, Ah, dös alt' Baberl sagt halt was!" erwiderte das Mädchen. Nacheiniger Zeit redete die Mutter wieder herein: Kannst scho' lieg'n bleib'n, hab'n dem Kalbl scho' was G'weichts geb'n!" Wenn man dem neu-geborenen Kalb nämlich zwischen zwei Brotstücken etwas Geweihtes ein-gibt, z. B. Palmkätzchen, die zu Ostern geweiht wurden, oder Rosenblättervom Umgang, so hat die Hexe keine Macht über das Tier.

Gegen die Zauberkünste der Hexen wußten einst die Schinder( Ab-decker) allerhand Mittel, besonders die alten Frauen in diesen Häusern.Nagelt man in die Türschwelle ein Geldstück ein, sodaß es sichtbar bleibt,so ist man sicher vor Hexenzauber und Krankheiten. Besonders für und gegendie Liebe wußten diese weisen Frauen Mittel und man wird dabei an dieLiebestränke erinnert, die in der alten Literatur öfter vorkommen.

Weit verbreitet war auch der Glaube an die Trud. Gewisse Menschensollen die Macht besitzen, in der Nacht als Trud umherzuwandeln und anderezu quälen. Aehnlich wie manche Menschen mondsüchtig sind und nachtsherumgehen, ohne von sich zu wissen, haben andere angeblich die Eigen-

6) Näheres darüber berichtet Dr, Friederike Gorski in der Zeitschrift,, Unsere Heimat"( 1934, Nr. 4, S. 107).

7) In manchen Sagen erscheint der Mohn auch als rettendes Mittel.Liest ein Uneingeweihter in einem Zauberbuch, so kann es geschehen, daßRaben erscheinen und ihm arg zusetzen. Wenn Mohn unter sie gestreut wird,so müssen sie ihn aufsammeln. Unterdessen liest man den Zauberspruchzurück und ist gerettet. Vgl. Oberösterreichisches Sagenbuch" von Dr. A.Depiny, Linz 1933.( Mehrere Beispiele.)