Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde40 (1935) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
40 (1935) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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höheren Weihegrad besitzen. Der Sinn des zitierten Satzes ist aller-dings unklar, da man nicht weiß, wie man hier das Wort weillen"( vermutlich deshalb) aufzufassen hat. Der Spruch geht dannohne Bezug auf die ersten Verse fort:

,, Wer sich fest auf dich vertraut

Und sein Hoffnung auf dich baut 1764."

Auf den Votivtafeln erblickt man den heiligen Wilhelm inWolken, stets aber auch ist der Steinsarkophag mit abgebildet,dessen wichtige Rolle also allenthalben ersichtlich ist. Die meistenWallfahrer kommen am 29. Juni und am sogenannten Nagelfreitag,dem zweiten Freitag nach Ostern hieher, doch in dringenden An-liegen wird die Kirche auch unter der Zeit aufgesucht.( Eine etwasungenügende Beschreibung der Kultgebräuche auch bei Grabera. a. o.)

Auch im unteren Lavanttal grüßen viele Pfarr- und Filial-kirchen von den sich von der Saualpe allmählich niedersenkendenHöhenzügen herab. Sie sind alle sehr entlegen und dienten in derTürkenzeit dem Volke als Zufluchtsstätten, weshalb sie zum Teilnoch befestigt sind. Kein Wunder, daß auch die Sage sich dieserPunkte bemächtigt hat. Gute drei Stunden von St. Andrä entfernterhebt sich in 1200 m Höhe am Rande eines Talkessels die kleinePfarrkirche von Wölfnitz, wohl die abgeschiedenste PfarreiOesterreichs.

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Der frühgotische Bau ist von einer Festungsmauer mit Schießscharten,einer alten Türkenwehr, umgeben. Die Außenwand des Chores trägt als Pest-abwehr ein gotisches Christophorusfresko. Eine schwache Stunde brauchtvon dort zu der auf einsamem Hügel gelegenen WallfahrtskircheSt. Leonhard. Auch diese Kirche ist gotisch, doch nicht befestigt. AmAltar steht ein sehr plumper hölzerner St. Leonhard, eine rohe Bauernarbeit,steif wie ein heidnischer Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischer Götze. Er soll von einem bäuerlichen Schnitzer derUmgebung stammen, trat erst im 19. Jahrhundert an die Stelle des barockenAltargemäldes, das jetzt an der linken Längswand hängt. Hinter dem Hoch-altar bemerkt man ein ziemlich verblaßtes Leinwandbild, das darstellt, wieein Priester mit erhobener Hostie in der Hand zu Boden sinkt. Es handeltsich wohl um eine alte Legende, die jedoch vom Volke sekundär- aitiologischmit einer Türkensage ausgedeutet wird, die berichtet, daß ein Pfarrer amAltar von einem Türken erschossen worden sein soll. An der Seitentür derKirche rechts hängt ein Hufeisen, das angeblich von einem fliehenden Türkenherstammt. Das Hauptportal ist mit dicken Eisenplatten beschlagen, um dieins Innere geflüchteten Menschen vor dem anstürmenden Feind zu schützen.Einer Legende nach springt dieses Tor von selbst auf, wenn eine schwereSeuche oder ein Krieg im Anzug ist, was sie dadurch anzeigt.( SämtlicheLegenden wurden vom Mesner mitgeteilt.)

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