Abhandlungen und kleinere Mitteilungen.
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Volkstümliche Kultformen im Lavanttal.
Von Rudolf Kriss.
Mit einer zweiseitigen Figurentafel.
Im kärntnerischen Lavanttal, das sich zwischen Kor- und Sau-alpe von Norden nach Süden zieht, und ins Drautal ausmündet,haben sich wohl wegen der Abgeschiedenheit seiner Lage einigebesonders altartige Opfergebräuche in unverminderter Stärke undin seltener Dichte der Verbreitung bis auf den heutigen Tag erhalten.Bei einer Wanderung durch jene Kultorte muß der bekannteOrt St. Leonhard, der mitten im breiten Talgrunde liegt undden stärksten Mittelpunkt bildet, an erster Stelle genannt werden.Die stattliche Leonhardskirche befindet sich ungefähr 10 Minutenaußerhalb des gleichnamigen Marktfleckens. Sie ist von einer langen Eisen-kette umspannt. Das prächtige gotische Bauwerk verlohnt allein den Besuch.Die dort gebräuchlichen eisernen Votivgaben sind in der Fachliteratur bereitsbekannt und wir können uns daher deren bildliche Wiedergabe an dieserStelle ersparen. Sie werden in seltener Reichhaltigkeit in einem großen Kastenlinks in der Nähe des Hochaltares aufbewahrt und bestehen aus menschlichenFiguren, Wickelkindern, Armen, Beinen, Augen, Herzen, Kröten, Pferden,Rindern, Schafen, Ochsengespannen und Kopfreifen. Es sind sämtliche Alters-stufen und Entwicklungsstadien vertreten. Bezüglich der Technik verweiseich auf die Einzelbeschreibung Richard Andrees( Votive und Weihegaben,Seite 97, 98, 115, 116, 117, 119, 132, 154, 155 und 156 mit den entsprechendenAbbildungen) und auf meine eigenen grundsätzlichen Ausführungen zumsteirisch- kärntnerischen Formenkreis im Jahrbuch für historische Volkskunde( 1934, Seite 281 folgende mit Abb.), denen ich hier nichts mehr hinzu-zufügen habe.
Beachtenswert sind auch die Votivtafeln, die teils hinter dem Hoch-altar, teils im Chor und Langhaus der Kirche verstreut hängen. Die ältesteträgt die Jahreszahl 1413; Abb. 1. Da sie auf Leinwand gemalt ist, kann sie un-möglich das Original selbst darstellen; ich halte sie für eine frühestens im17. Jahrhundert angefertigte Kopie einer wohl schadhaft gewordenen Holz-tafel, die aber später noch ein zweitesmal übermalt wurde. Immerhin bleibtsie aber so noch interessant genug, denn sie bildet nicht nur den frühestenmir bekannten Beleg für die Sitte der Votivtafelopferung im allgemeinen,sondern auch einen wichtigen chronologischen Fingerzeig für das Bestehendes Eisenopfers in Kärnten. Sie zeigt im Hauptfeld, wie ein befreiter Ge-