Library / Self-PublishedÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde40 (1935) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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40 (1935) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Die bäuerliche Hinterglasmalerei zu Sandl alsVolkskunst der Gegenwart.

Von Rudolf Kri B.

Mit 4 Abbildungen auf Tafel I.

Sandl, die kleine 1000 m hoch gelegene Ortschaft im unterenMühlviertel, nahe der böhmischen Grenze, war im 18. und 19. Jahr-hundert als die berühmteste Heimstätte der Glasmalerkunst inOberösterreich weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt,denn das Sandlbild gehörte zu den weitestverbreiteten seinerGattung.

Weniger bekannt dürfte es indessen sein, daß jene Kunst, dieseit nahezu 5 Jahrzehnten für ausgestorben gilt, auch heute nochin Sandl geübt wird. Die Kunde hievon verdanke ich der um diesammlerische Erfassung der Volkskunde des oberen Mühlviertelshochverdienten Frau Rosa List zu Altenfelden, die mir einenganzen Kreuzweg, der aus 14 großen Bildern besteht, zeigte, densie sich im vorigen Jahre in Sandl hatte anfertigen lassen. Was siemir sonst noch alles von ihrem Besuch beim alten Bernhardl", demErzeuger jener Bilderreihe, erzählte, veranlaßte mich, nicht nur mirselbst einen solchen Kreuzweg zu bestellen, sondern auch denSchöpfer in seiner Heimat aufzusuchen.

An einem kalten Februartag fuhr ich mit dem Pferdeschlittenvon Freistadt hinüber nach dem 15 km entfernten Dorfe Sandl. Diebreite Straße ist um diese Zeit fast völlig vom Schnee zugewehtund besteht nur aus einer schmalen Schlittenspur, die sich entlangder aufgerichteten Schneestöcke dahinzieht. Oft war auch sie nichtmehr sichtbar und die Rosse versanken bis über die Knie im Schnee.Während der Wintermonate, wo das Dorf manchmal über 14 Tagevon der Außenwelt abgeschnitten ist, und die Feldarbeit für langeZeit ruhen muß, oblagen die Bauern wohl schon vor jeher ihremkünstlerischen Gewerbe; ich traf daher den alten Bernhard, der sichbaẞ wunderte, daß ich überhaupt durchgekommen sei, mitten inseiner Arbeit.

Er zählt 76 Jahre und ist heute der Einzige, der die Kunstnoch betreibt. In der Familie Thumayr, der er angehört, wurde sieseit Generationen ausgeübt und die bewußte Tradition reicht über100 Jahre bis zum Großvater zurück. Ihr Stammhaus liegt etwasaußerhalb des Dorfes auf einer sanft ansteigenden Halde, auf der

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