Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde40 (1935) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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40 (1935) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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indem sie Jagd und Fischerei in allen geschichtlich erreichbaren Zeugnissenbei den Finno- Ugriern Asiens wie Europas verfolgt. Vorangestellt wird demeine Uebersicht über die körperliche Beschaffenheit der Bevölkerung, die vor-geschichtlichen Wander- und Kulturbewegungen im Lebensraum der Finnen,ihre Berührung mit der nordischen, germanischen, ferner der slavischenKulturentwicklung. Sehr umsichtig ist die Jägerei als Lebensform behandelt.Die Jagdgebiete mit angelegten Pfaden sind als Stamm- und Sippenländereien,wie auch als Familiengebiete unterscheidbar, wobei Beutegemeinschaft herrscht,die späterhin durch besondere Rechtsbräuche eingeschränkt wird. Ausrüstungdes Jägers und Vorgehen auf Jagdzügen zeigen eine große Anzahl unmittelbaraus dem Verhalten der Tierwelt erklärbarer Züge, wie die Meidung aller demGeruchsinn empfindlichen Verunreinigung, Maskierung; umweltgebunden istdie Versorgung des Fleisches, Aufspüren der Himmelsrichtung usw. Waffenund Fangarten in ihrer sinnreichen Durchbildung nehmen den Hauptteil desBuches ein. Höchst bemerkenswert ist die Uebereinstimmung der Fangarteines Bären mittels Branntweins mit altklassischen Ueberlieferungen imKreise der Dionysosmythen, bedeutsam auch das über Locktiere Gesagte,besonders im Hinblick auf die älteste Zähmung des Renntiers. Kürzer wirdder Fischfang behandelt. Ueberall ist die Beschreibung klar, zeitlich undtopographisch festgelegt; auch wird genauere Einordnung der Fangart inältere oder jüngere Lebensformen der Bevölkerung versucht. Eine großeReihe vortrefflicher Bilder ergänzt den Text. Man darf gespannt auf die Fort-setzung des Werkes sein, das insbesonders in der Hausforschung und derErgologie wie auch im Trachtenwesen grundlegende Aufschlüsse erhoffenläßt.

A. Haberlandt.

Wolfgang Schultz: Altgermanische Kultur in Wort undBild. 117 Seiten mit 160 Bildern auf 80 Tafeln.

Das mit prächtigen Bildern ausgestattete Buch entrollt ein Bild germa-nischen Kulturwerdens von der Bronze- bis zur Völkerwanderungszeit. Mitbeachtlich hoher Geistigkeit erläutert der Verfasser vor allem die welt-anschaulichen Grundlagen der nordischen Kunst, des Brauches wie desGötterglaubens, betrachtet ebenso von kulturphilosophischer Warte die Aus-einandersetzung des Germanentums mit den umgebenden Völkern undKulturen. Lebenshaltung und Sinngehalt der Bildgestaltung wie des Sagguteswird in klarer und verständlicher Sprache zu einer Volkskunde germanischenDaseins zusammengefaßt. Wer sich solchermaßen in alte Werte vertieft, magmit Fug und Recht für ihre Auswertung auch in der Zukunft eintreten, wiedies Verfasser im letzten Abschnitt tut. Doch dünkt es uns da wesentlicher,daß vorerst der Jungbrunnen volkhafter Beseelung und Führung des Lebenskräftig in Fluß gerate; er mag dann auch altgermanisches Gedankengut undden Form willen wieder zu frischerem Treiben bringen, wie ihn Dichtung,Schrift und Kunst ältester Blüte gewiß in hohem Stil bekunden. Die lehrhafteAuslegung der Bilder wie auch der eddischen Sagas machen das Buch auchdem Volksforscher zum wertvollen Hilfswerk vergleichender Betrachtung,wobei er von problematischen Deutungen auf rein philologischem Gebietangesichts des Reichtums des Gebotenen leichtlich abzusehen vermag.

A. Haberlandt.