Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde40 (1935) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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40 (1935) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Abhandlungen und kleinere Mitteilungen.

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Über bergmännische Grußformeln.

Von Ing. Franz Kirnbauer, Schwertberg.

Die deutsche Bergmannssprache weist bekanntlich ein sehrhohes Alter auf. Neben der bergmännischen Tracht hat sie sichnahezu unverändert vom frühesten Mittelalter bis in die Jetztzeiterhalten. Man war bisher geneigt, auch dem bekannten Berg-mannsgruße Glückauf!" dieses hohe Alter zuzuschreiben.Dies trifft jedoch nicht zu, wie vor kurzem nachgewiesen werdenkonnte¹), denn dieser Gruß ist aller Wahrscheinlichkeit nach erstim 17. Jahrhundert entstanden und in der zweitenHälfte desselben allgemein in Gebrauch gekommen. Bis dahindürften die Bergleute keinen besonderen Gruß gehabt haben, wassich aus dem Umstande schließen läßt, daß ein solcher Gruß inden damaligen Bergbüchern2) nicht erwähnt wird. Die Knappenbegrüßten sich wohl einfach mit der Tageszeit oder auch mit GrüßGott!" Eine Grabsteininschrift aus dem Jahre 1537 über dem Grabeeines Gewerken enthält die Worte: Grves got das edel Perk-werch!) Ein anderer alter Gruß, auf Stichen und Münzen über-liefert, war auch: Gott segne das Bergwerk". Auch Lieder und Lied-anfänge aus dieser Zeit4) kennen das Glück auf!" noch nicht, erst

1) F. Kirnbauer: Der deutsche Bergmannsgruß; Mitgliederver-zeichnis der Gesellschaft der Freunde der Leobener Hochschule, Leoben 1927,S 3 F. Kirnbauer: Der deutsche Bergmannsgruß, Forschungen undFortschritte, Berlin, 4. Jahrg.( 1928), S. 1.

2) Agricola gebraucht in seinem berühmten Bergbuche De remetallica" im Jahre 1556 bezw. in seiner 1621 durch Ph. Bech erschienenendeutschen Uebersetzung am Schlusse seiner Widmung den Gruß ,, Lebet wohl".· Die Sarepta( 1571), in der Mathesius ein treues und vollständiges Bildder Bergmannsprache seiner Zeit gibt, kennt den Gruß Glück auf!" eben-falls nicht. Auch von Albinus( Meyssnerische Berg- Chronik, 1590),Löhneyss( Bericht vom Bergwerk, 1617) und anderen bergmännischenSchriftstellern wird er nicht genannt; Berward( 1673) hätte denselbenaber anführen müssen, wäre er ihm bekannt gewesen, denn unter den berg-männischen ,, terminis und Redensarten, die sein Interpres phraseologiaemetallurgiae enthält, werden unter Berggruẞ" zwei später noch zu nennendeGrußformeln aufgeführt.

3) Oesterr. Zeitschr. f. Berg- und Hüttenwesen, Wien, Jahrg. 1887,Tafelbeilage 11.

4) Bergkreyen" 1537, Neuausgabe durch O. Schade, Weimar 1854und John Meier, Halle 1892.