Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde39 (1934) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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39 (1934) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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St. Patriz scheint ursprünglich mehr als Fürbitter fürdie armen Seelen betrachtet worden zu sein. Die beidenAltarbilder in Wenigzell und Pöllauberg lassen dies vermuten.Vielleicht, daß auch eines von dem anderen beeinflußt wurde.Wenigzell zeigt den Heiligen in den Wolken knieend, bekleidet mitStola und Vespermantel, wie er gerade drei arme Seelen, die ausdem Fegefeuer die Hände bittend zu ihm emporstrecken, der gött-lichen Barmherzigkeit empfiehlt. Das Bild in Pöllauberg stellt denHeiligen gleichfalls mit Stola und Vespermantel dar, die Händegegen die armen Seelen ausgestreckt, die im unteren Teile desBildes sichtbar sind.

Durch die Gründung der Patritiusbruderschaftnahm der Besuch Wenigzells sehr rasch zu. Bald treten jene Zügeaus dem Leben des Heiligen immer mehr in den Vordergrund, dieder Bauernbevölkerung besonders sympathisch waren, sein Lebenals Hirte, seine Sorge für das ihm anvertraute Vieh, für dessenSchutz er sogar Wunder wirkte; und so wurde der Bekehrer IrlandsSt. Patriz zum Viehpatron. Die Kulte der Landbevölkerung, sagtAndree, Votive und Weihegaben, Seite 7, tragen ein entschiedenagrarisches Gepräge und in ihren Religionsübungen offenbart sichein Teil des Bauerncharakters. Der Landmann bringt seinen Vieh-stand, das Gedeihen seiner Feldfrüchte, das Wetter und seineWirkungen mit der Religion im Zusammenhang". Der Zustromnach Wenigzell war bald so groß, daß die Kirche die Wallfahrernicht mehr fassen konnte. Im Jahre 1716 wurde sogar beim Patrizi-fest infolge des Gedränges ein Kirchfahrter derdrucket" und zweigerieten in Lebensgefahr( Fank, A. a. O., Seite 89). 1727 mußtewegen des Menschenzustroms ein zweiter Kaplan in Wenigzell an-gestellt werden. 1733-1735 ging man endlich daran, die nochheute stehende geräumige Barockkirche aufzubauen. Viel trug zudiesem schnellen Emporblühen bei die Wallfahrtsfreudigkeit desBarockzeitalters, aber auch die große Not, die die schrecklichenViehseuchen damals im Gefolge hatten. Stand man ihnen ja machtlosund hilflos gegenüber und in kurzer Zeit war der Wohlstand derGebirgsbevölkerung vernichtet, ja ihr Dasein in Frage gestellt. Sofiel 1682 fast sämtliches Vieh im Stifte Vorau einer Seuche zumOpfer( Fank, A. a. O., Seite 74), die wohl bedeutend weiter wirdsich fühlbar gemacht haben. Blau( Zeitschrift f. öst. Volksk. XVIII,Seite 163) erzählt, wie 1713 die Untertanen der Herrschaft Teinitzl( Klattauerkreis) nach einem verheerenden Viehsterben genötigt

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