Library / Self-PublishedÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde39 (1934) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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39 (1934) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Während einerseits das Schleudern des Knochens ganz den Erzählungen vonder Wilden Jagd entspricht, ist andrerseits der Waldgeist auch hier zumKinderschreck herabgesunken. An dieser Stelle sei erwähnt, daß sich in Wien-Meidling in der Umgebung Wiens gibt es mancherlei Hemannsageneine ganz vermenschlichte Hemannerinnerung findet, indem dort der Flur-wächter, wohl da er die Flurfrevler verscheucht, auch Hemann oder kurz, He"genannt wird.

Noch heute sagt man in Ullrichs zu schlimmen Kindern: Wenn du nichtbrav bist, rufe ich den Hemann." Auch die folgende Erzählung gehört in dieseArt Hemanngeschichten.

Einst gingen Eltern mit einem Kinde von Ullrichs aufs Feld gegen denSchachen zu. Da dieses sehr boshaft war und ständig schrie wie ein Zahn-brecher, drohten sie ihm endlich mit dem Hemann. In diesem Augenblick ver-schwand, ohne daß man des Geistes ansichtig wurde, das Kind und keinMensch sah es je wieder.

Der neue Zug in dieser Sage, das Verschwinden des Kindes, erinnertdaran, daß Menschen, die in das He- und Ahoigeschrei der Wilden Jagd mit-einstimmen, mit fortgerissen werden. Aehnliches zeigt sich in der folgendenSage.

Ein Mann aus Ullrichs, im Schloß von Kirchberg) bedienstet, fuhr miteinem Pferdewagen durch den Schachen gegen Höbarten, um Säcke in dieMühle nach Waldenstein zu bringen.( Nach der Heimatkunde von Hauer reichtHöbarten mindestens in das 13. Jahrhundert zurück, Waldenstein, wohl nochälter, ist schon 1203 belegt.) Während der Fahrt schlief er ein und kam imSchachen mit seinem Fuhrwerk in einen Graben. Als er erwachte, begann erwüst zu schimpfen und zu fluchen, wobei er in seine Fluchworte auch denNamen Hemann brachte. Plötzlich erscholl in der Ferne ein wildes He- he- Rufenund gleichzeitig gingen die Pferde durch. Sie verschwanden im Walde undwurden nie mehr gesehen.

Man wird hier daran erinnert, daß in manchen Sagen von der WildenJagd Roß und Wagen fortgewirbelt werden und daß in ihrem Lärm undGetöse auch Pferdegewieher zu hören ist.

Die hier mitgeteilten Sagen wurden vom Verfasser nach mündlichenBerichten der ältesten Bewohner von Ullrichs im Jahre 1932 aufgezeichnet.Es wurde von ihnen auch hinzugefügt, daß der Hemann einst häufig und anden verschiedensten Orten in den Feldern am Schachenwald und im Waldselbst gesehen worden sei. Wenn man gegen Abend noch im Freien arbeitete,konnte man ihn auf einem Rain aus- und eingehen sehen und sein ge-spenstisches He- he- he hören. Auch wenn er nicht rief, erkannte man ihn anseinem breiten Hute.

Die in unserem Gebiet also noch in ziemlicher Anzahl und in ver-schiedenen Gestalten lebendigen Hemannsagen weisen darauf hin, daß hierder Wodansglaube in seinen verzerrten Ausläufern stark weiterlebte. Das

4) Hier saẞ frühzeitig ein adeliges Geschlecht, das sich nach demOrte nannte. Bereits im 12. Jahrhundert erscheint ein Rudolf von Kirchberg.... Wann und von wem die Pfarre Kirchberg gegründet wurde, ist nichtbekannt." Heimatkunde wie oben, S. 213/14. Die vorliegende Sage enthältalso einen interessanten historischen Anhaltspunkt.