Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde39 (1934) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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39 (1934) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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etwa A. Dürer im Umkreis seiner Heimatstadt Nürnberg festhielt.So haben sich hier im Osten Altformen deutscher Ständerbautenerhalten, wie sie in Deutschland vor dem 30- jährigen Krieg schongang und gäbe waren.

Künstlerische Zierformen treten an den burgenländischen Bauernhäusernin mehrerlei Art in Erscheinung. Zu erwähnen sind die mannigfaltigen Stukko-verzierungen der Giebel, die durchaus mit volkstümlichen ZiermusternBlumenkränzlein, Herzen, Blumen, Jahreszahl und Namenszug des Besitzers-arbeiten. Weit verbreitet sind vor allem im mittleren und südlichen Burgen-land Stiegenaufgänge und Laubengänge mit kräftig profilierten Rundsäulenoder Pfeilerschmuck, die die hofseitige Trauffront der Häuser begleiten. Sieleiten sich ebenso wie die fast gleichartigen Architekturteile der älteren Wein-bauernhäuser und auch Postgasthöfe in Niederösterreich namentlich inder Wachau und im Weinviertel aus der volkstümlich gewordenen Re-

naissance und Barockarchitektur her.

Ganz eigenartig wirken mit ihren schlanken kannelierten Säulen undluftigen Vordächern die weißschimmernden Stiegenlauben in Mörbisch. Esbegegnet außerordentlich selten, daß der Klassizismus im Volke stilbildendwirkt. Hier haben ihn ländliche Baukünstler, die bei diesem oder jenemHerrschaftsbau beschäftigt gewesen sein mögen, mit seltenem Formgefüh!und einer im Volk eben dauernd lebendigen Gestaltungskraft auch noch nacheinem großen Brand im Jahr 1857 wirklich reizvoll zur Geltung gebracht. Diebauliche Entwicklung von Mörbisch ist auch noch in anderer Hinsichtinteressant. Abgesehen davon, daß vielfach die Wohnhäuser halbhoch als,.Stockhäuser" erbaut sind, wobei das eingetiefte Erdgeschoß die Keller-räume enthält, ein Bautypus der auch in Niederösterreich und in rheinischenWeingebieten häufig wiederkehrt, hat das umgebende Weingelände dieSiedlung sich räumlich fast nur durch Innenausbau entwickeln lassen. Beimnaturgemäßen Wachstum der Familien sind die ursprünglich breiter angelegtenHöfe auf zwei und vier Familienglieder aufgeteilt worden, zwischen dengiebelig gestellten Hauptgebäuden oder Häusern an der Front eröffnen sichnun schmale Seitengassen, die zu den Wohnungen" oder Häusern der ein-zelnen ,, Parteien" führen, wie sie sich heute nennen.

Die innere Hauseinteilung ist ihrem Grundtypus nach überall die gleiche.Man tritt traufseitig in einen Vorraum oder Flur, in dessen Hintergrund durcheinen Mantelbaum die Küche abgetrennt ist. In ursprünglichen Verhältnissenist sie vielerorts noch eine schwarze Kuchel mit einem zum Schornstein sichverjüngendem Gewölbe verblieben, in dessen rußigem Dunkel man allerhandleckere Würste, Fleisch und Speck räuchern kann. Nach der Straße zu liegtdie gute Stube. Vielfach hält man sich indes im Alltag mehr in der ein-facheren und wohl auch schon älteren Hinterstube auf, die gegen den Stallzu gelegen ist.

In der guten Stube hat oft schon eine ganz behäbige neu-zeitliche Ausstattung Platz gegriffen. Man verwahrt hier auch dieFamilienandenken, Photographien und Haussegen, noch steht daund dort der altertümliche Kachelofen darin, der so recht erst die