Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde38 (1933) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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38 (1933) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Die Personen des Lassinger Spieles( L) sind dieselben wie imLiezener Spiel(); auch der Aufbau ist im Allgemeinen fast ganz gleich,die Predigt textlich den Spielen S und Donnersbach( H2) ungemein ähnlich³).Der Jäger macht den Eingang mit einer Variante der bekanntenEintrittsformel auf fest"; eigentümlicherweise ist die Gestalt des Jägersin dem Kreise der drei verwandten obersteirischen Spiele nur als einfacherSprecher und Anführer der Spielerschar gezeigt, während sonst, besondersin den Schäferspielen, der Jäger meist der verkleidete Teufel ist³).

Die Frage um Spielerlaubnis an den Hausherrn ist wie in den ein-fachsten Umzugsspielen ganz kurz und in Prosa gehalten). Ueberhauptgehört das Spiel L in vielen Hinsichten weit mehr zu denjenigen Spielen,welche sich enge mit den Figuren-( ,, Reif-, ,, Schwert-") tänzen berühren,als zu den mittelalterlichen aus der Liturgie abgeleiteten Spielen. Schon dieForm zeigt dies deutlich. Es weisen die Eintrittsformeln darauf hin,( V. 1,166), 138, 140) ebenso wohl auch die Bezeichnung ,, Kamerad" für die Mit-spieler). Während der Eintrittsvers des Engels an den, wohl zuerst in denVerkündigungsszenen verwendeten Vers

,, Ich bin ein ausgesandter Bot")

( der sich vielleicht seinerseits wieder von der Evangelienstelle

,, missus est angelus Gabriel a Deo"[ Luc. 1. 26.]

herleitet) erinnert, stammt die Formel V. 12, 13, direkt aus der Rolle der,, lustigen Person", welche in den Figurentänzen zugleich den Anführer dar-

"

1) A. Schlossar, Deutsche Volkschauspiele, 1. Bd., Seite 235 ff.

2) M. Haberlandt, Ein Nikolausspiel( Zeitschr. f. öst. Vk., 4. Bd. 1898,Seite 16 ff.).

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3) Der Kreis dieser verwandten Umzugsspiele, welche die Gestalt desHl. Nikolaus von Bari einführen, berührt sich wohl nirgends mit den mittel-alterlichen Misterien, welche die Legende des Heiligen dramatisieren. An-klänge an eine solche Gestaltung findet sich vielleicht aber in demgemein kunterbunt anmutendenBreitenbacher Spiel( E. Schnell,St. Nikolaus, der hl. Kinderfreund. sein Fest und seine Gaben, Brünn, 1883,4. Heft, Seite 11 ff.) das aber mit den hier besprochenen Spielen nur in derPredigt Verwandschaft zeigt; auch die hier so häufig auftretende AnspracheHausvater und Hausmutter" findet sich dort mehrfach.

4) Etwa: Vordernberger Paradeisspiel( K. Weinhold, Weihnachtsspieleund Lieder, 1875, Seite 302), Breitenbacher Nikolausspiel( Schnell, a. a. O.),Alpacher Nikolausspiel( Schnell, a. a. O., 3. Heft, Seite 83). MitterndorferSchäferspiel( Schlossar, a. a. O., 1. Bd., Seite 37).

5) Etwa: Münchenthaler Hirtenspiel( J. Lanz, Schaffen und Schauen1930, Heft 10, Seite 6.

6) Der Vers wirkt ebenso burlesk als gezwungen; er dürfte wohlwegen des Reimes auf ,, Nikolaus" aus einem einfachen Eintrittsvers erweitertworden sein. Zu den Formeln auf fest" vgl. diese Zeitschrift, Bd. XXXVI,Seite 101.

) A. Haberlandt, Das Burschna"( Schauspiele der Volksjugend,Seite 3). Auch A. Schlossar a. a. O., V. 7.

8) Etwa: Jauernig, Pickau( A. Peter, Volkstümliches aus öst.Schlesien, Seite 433, 439), Neudorf( J. Lanz ,,, D. D. Volkslied", 1930, S. 125),Herlsdorf, Waltersdorf( D. Stratil F., Deutsche Heimat", 1913, Seite 155),Weindorf( R. Hartmann,, D. D. Volkslied", 1929).