Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde38 (1933) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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38 (1933) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Manche Bäuerin hat jetzt schon kochen gelernt. In Lienzbesteht seit ungefähr zehn Jahren eine landwirtschaftliche Schule.Da machen sie auch einmal einen Guglhupf ein Brot aus Weiß-

mehl in einer Pfanne.

Schlachtigen.

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Ein Schwein und zwei Schafe schlachtet gewöhnlich derBergbauer als Jahrfleisch. Schafe und Gaẞßvieche( Ziegen) umAllerheiligen, zu Kirchweih, und die Fakn( Schweine) zu Weih-nachten und auf Lichtmessen( Lichtmeß, 2. Februar). Auf die heiligen Zeiten" will man gern grians Fleisch und grianen Speckhaben( grünesfrisches Fleisch und frischen Speck). Um Osternist ein Schlachtigen selten, da stechen nur mehr einige ab, dieReicheren. Mitten im Sommer ein Schwein abstechen, das kannsich nur der Pfarrer leisten. Kälber schlachtet der Bergbauer über-haupt nicht. Nur wenn er muß, weil eines der Tiere krank ist. Aucheine Kuh zu schlachten, unternimmt er nur selten. Vielleicht eineältere, die er nicht mehr gut verkaufen kann. Oder die Schweinesind ihm mißraten.

Zum Schlachtigen kommt der Metzger. Bei einem größerenStucke, so bei einem größeren Fakn, gehen zwei miteinander, weileiner allein es nimmer dermacht. Nach 1-2 Tagen kommt derMetzger wieder aushacken. Er macht Seiten" vom Speck und Henkilan" von die Grippen( Körper). Die beiden Metzger sindauch die Bader oder Pfuscher, wie sie es nennen, für die Orts-bewohner. Einer von ihnen ist Fleischbeschauer, Meßner und Toten-gräber außerdem noch. Die Henkilan 1) werden eingesalzen und10-14 Tage a'gesurt. Dabei wird auf das eingesalzene Fleischein wenig Wasser gegossen. Jeden Tag 2-3 mal wird es abge-lassen, aber immer wieder dasselbe aufgegossen. Dann wird dasFleisch geselcht. Solange es in der Sur liegt, gibt es ein Geköchevon frischem Fleisch bei den Bergbauern. Sonst das ganze Jahr nicht.

Den grianen Speck schneidet man in ungefähr handgroßeStücke und siedet ihn in Salzwasser wie Suppenfleisch. Dann gibtman ihn in eine Schüssel und trägt ihn auf den Tisch. Viele habenihn recht gern, andere vermögen" ihn nicht. Er ist recht a wiaches( fettes, sättigendes) Essen. Man derpackt ihn nit so guat, zelmischt man gleich volla( satt)". Das griane Fleisch gibt ein feinesBratl mit recht viel Brüah( Saft). Dazu ißt man Brot.

1) Fleischstücke, zum Aufhängen an den Selchstangen gerichtet.