9
„ Leinsetzelten”, wie man in Kärnten den Leinkuchen( Kuchenaus ausgepreßten Leinsamen) nennt, ist eines der häufigsten Mittelzum Erweichen verhärteter Geschwüre und Geschwülste22). Pilfasbedeutet hier wohl Mittelohrkatarrh oder eiterige Mittelohrent-zündung.
Diese drei Mittel kann man daheim anwenden; es sind Haus-mittel. Auch der Sympathiearzt bedient sich, wenn der Krankezu ihm kommt, in schwereren Fällen, um die Wirkung des Auf-betens zu erhöhen, eines Mittels, des„ Aufsiedens", das Graf Michlmit Recht zu den Sympathiemitteln zählt:
,, So die Pilfes verhartet ist, und mit Beten nicht will helfen, muß manauch aufsieden".( S. 510)„ Wenn man aber auch aufsieden will, so holleein Wasser von ein solchen wär es gut wo Hochzeit und Leichen daribergehet, fang es thalwerts auf, hitze das Wasser und drei Steinlein die manauf ein Aker, oder Bach, oder Dachtraf sucht, es müßen blaue oder brauneund wurmstichige Steinlein sein, so oft mann ein rechtes aufhebt, sprichalso. Ich such Ruh und Rast, Ruh und Rast hab ich funden ich N: Befehlmich in die h. fünf Wunden. Gieß das heiße Wasser in ein hölzerneSchüsel setz sie den aufs Haupt, leg ein Steinlein drein und luke dasHöffelein drauf beth das erste Gebeth einmahl, thu den heraus und denzweiten hinein bet es wieder und mit den dritten auch so, zum zweiten-mahl Aufsieden braucht man zwei Steinlein zusetzt( soll wohl heißen: zu-letzt eins, so wie das Gebeth gebraucht wird".( S.77-80 zwei Punkte),, Bekommet man keine Steine, so nehme geschossene Bleikugeln drei oderfünf, oder altes Fensterblei, zerschmolzen, und anstatt der Steinlein in dasWasser thun, das Blei fange wenns Wasser etwas kühl ist heraus, kannstes noch nitzen, thue jedesmal wenn du hast wieder eine Kugel darzu, dasWasser gieße in das Körch einwendigen Dachtraf, wo Niemand darübergehet, und hole jedesmal neues, rede aber nichts, und schaue nicht zurückbis du es zum Feuer gesetzt hast".( S. 510-512)
Daß ein derartiges Aufsieden auch in andern Ländern üblichist, konnte ich aus der mir zur Verfügung stehenden Literatur nichtersehen; das„ Aufkochen des Bregens" in Ostpreußen undPommern23) scheint damit nichts zu tun zu haben. In Kärnten istein Aufsieden bei der„ Warta” gebräuchlich. Des Aufsiedens be-diente sich auch die im Jahre 1670 der Zauberei beschuldigteCäcilia Gruberin im Metnitztal, als sie einmal großes Wehtunund Schmerz in den Augen gehabt und schier ganz blind gewesen.Da habe sie( so gestand sie beim peinlichen Verhör)„ neun lucketeSteinde von einem Grübel oder Hauff genommen, im Feuerglühend gemacht, dazu ein neues Hafferl mit Wasser angesetzt,
22) H. Marzell, Alte Heilkräuter, 21.23) H. d. d. A., IV, 84 f. und V, 235.