8
abwehrende Mittel anzusehen, halte ich nicht für angebracht.Dagegen sind andere Bestandteile sicher nur aus„ Sympathie” zuerklären: der Pilfastast, die Knörpelein( Verwachsungen19) vonGrösing( junge Waldbäume) und die Zaunrindlein. Sie haben esauch mit dem Pilfas zu tun wie der Kranke; sie werden von demVerursacher des Leidens, dem Pilfaswind, bewegt oder in ihremnatürlichen Wachstum behindert. Wenn wir später hören werden,daß die Pilvesen durch das Aufbeten gezwungen werden, entwederdurch das Fenster oder durch die Tür zu entweichen, so wird esverständlich sein, daß man auch„ Schätlein"( kleine Holzabfällebeim Hacken, Hobeln usw.) vom Fensterstock und von dem„ Drieschpl"( Schwelle) der Labmtür”( Haustür) und der Tür derRauchstube mitmahlt, in der ja als dem Hauptraum des Hauses dasAufbeten vorgenommen wird; drei Späne von verschiedenenSchwellen braucht man übrigens auch für die erwähnte in Ober-schlesien und Böhmen gebräuchliche Räucherung gegen Fieber wieAbschabsel, zumal von den vier Tischecken, überhaupt beiRäucherungen und Bereitung von Heil- und Zaubertränken eineRolle spielen 20). Die Forderung, nach dem Umbinden des ange-räucherten Mehlsackes nicht mehr„ auf die Weit"( ins Freie) zugehen, braucht nicht aus der Furcht vor den vertriebenen Krank-heitsgeistern erklärt zu werden. Zweifellos hat die Anwendungdieses Mittels ihren Hauptgrund in der wohltuenden Wirkung derWärme; Wärme und Massage gelten allenthalben als Hauptmittelgegen Muskelschmerzen rheumatischen Ursprungs21). Danebenwirkt jedenfalls auch der Glaube an die reinigende, dämonenver-scheuchende Kraft des Räucherns mit und auch die Meinung,Aehnliches sei für Aehnliches förderlich.
Ein drittes Mittel schließe ich hier an, obwohl es imSympathiebuch steht; es ist nämlich auch ein natürliches.
"
, Wenn für die Pilves das Aufbeten und Sieden nicht hilft, daß esvielleicht schon zu einem Geschwär geworden, durch schon zu lange Zeit,oder ein Ohr verstopfet ist, so nehme man zwei Stückel Leinset- Zelten, wärmesie bei einer Glut oder warmen Ofen, nicht bei brinnenden Feuer, dann einreistenes Flekel in Leinöl tunken und auf die schmerzhafte Seite legen, undgleich ein Stück gewärmten Zelten drauf, dann zuvor er kalt wird hinwekthun, das Flek wieder mit Oel benezen, und das eine Stück wieder drauf,und so etlichemal, es wird gewiß besser werden“.( Seite 512 f. zwei Punkte.)
19) Vgl. ,, Knauper", m., was nicht das rechte Wachstum hat, Knorren,Knirps, und ,, knoppet, knopperet", knorrig( Lexer, a. a. O., 162 f.).
20) H. d. d. A., I, 100, 1099.
21) Hovorka- Kronfeld, a. a. O., II, 282.