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Stein- Pilves, Wasser- Pilves, Sonne- Pilves, diese soll die schlimmstesein, daß der Mensch von Verstand kommt, und in zwei oder dreiTagen Sterben muß, wenn nicht sogleich geholfen wird, weil nichtso leicht zu erkennen ist, welche Pilves ein Mensch von diesenbenennten hat, so ist am sichersten, wenn diese alle benennt werden,sonst, wenn diese Pilves die genennt wird, der Mensch nicht hat,so hilft das Aufbethen nicht".( A. 1097 f.)
Es ist ja ein allgemeiner Glaube, daß man nur dann Machtüber ein Wesen erlangt, wenn man seinen Namen kennt und ihnauch nennt. Während die Fraisen, Gichter usw. nach den Krank-heitserscheinungen oder nach den kranken Organen bezeichnetwerden, weist hier der Name offensichtlich auf die Herkunft derKrankheit oder des Krankheitserregers hin. Dabei ist es freilichschwer, eine klarere Vorstellung zu gewinnen. Ist Pilves als Dämonzu fassen und gibt das Bestimmungswort an, wo er sich aufhält,woher er stammt? Oder liegt, wie bei den Střele die Vorstellungvon„ Schüssen" u. ä. vor? Dafür könnte die Bezeichnung„ Sonne-Pilves" sprechen. Nach der Beschreibung ist Sonne- Pilves wohlnichts anderes als Hitzschlag, Sonnenstich oder Sonnenschuß, dernach dem Volksglauben dämonistischer Herkunft ist; als„ dämoniummeridianum", Mittagsgespenst, personifiziert, verwirrt und lähmtdie sommerliche Mittagsschwüle die Mäher und Schnitterinnen,verletzt oder tötet sie sogar durch einen Sonnenstich oder Sonnen-schuß8).
In den folgenden Eintragungen kehrt übrigens keine dieserBezeichnungen wieder, wohl aber wird mehrmals nicht von derPilfas, sondern von Pilvesen gesprochen. Die Eintragungen gebendie Heilanweisungen und bieten die„ Gebete". Im Arzeneybuchunterscheidet Graf Michl zwischen„ natürlichen" und„ Sympathie-Mitteln"; diese macht er im Register durch ein Kreuz kenntlich.Ein solches fehlt bei den zwei Abschnitten:
,, Ein oder zwei wilde Kösten in solcher größe ein Bröck! Alaun zu-sammen einnähen und beständig auf bloser Haut bei sich getragen, verziehetmit der Zeit die Pilves, bewahrt forthin vor jeder Wildnüß".( A. 711.)
,, Für Wildnüssen, soll auch nach längerer Zeit rematisches Kopfreißenvertreiben. Zwei wilde Kastanien und in solcher größe ein Bröckel Alaun,diese drei Stück zusammen, so nahe als möglich am Leib, Tag und Nacht beisich tragen".( A. 1153.)
8) P. Lessiak, Gicht, Zeitschrift für deutsches Altertum 53, 1911, 159.Vgl. auch M. Höfler, Deutsches Krankheitsnamenbuch, 576, 680.