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Der Bilwis im kärntnerischen Volksglauben.
Von Dr. Oswin Moro, Villach.
Als ich im Jahre 1924 zum erstenmal in dem Kärntner Berg-dorf St. Oswald ob Kleinkirchheim( nordwestlich vom Millstätter-see) zu volkskundlichen Studien Sommeraufenthalt nahm, fiel esmir auf, daß über den Haustüren fast aller Häuser ein, zwei oderdrei kurze Fichten- oder Lärchenäste mit buschigen, verfilztenWucherungen angenagelt waren. In der Ueberzeugung, daß es sichhierbei um ein Abwehrmittel handle, fragte ich nach dem Zweckdieser Aeste, worauf man mir antwortete, sie dienten nur als eineArt Zierde; wenn man im Walde bei einer Fichte, Lärche oderZirbe ein solches verwachsenes Geäst sehe, hacke man es herabund befestige es als eine seltsame Erscheinung über der Tür. Mitdieser Auskunft nicht zufrieden, ließ ich die Sache nicht aus demAuge und erfuhr denn auch nach einiger Zeit, als ich schon dasVertrauen mehrerer Bauersleute gewonnen hatte, welcheBewandtnis es tatsächlich mit diesem Brauch habe. Ein Haus,über dessen Eingang ein solches Gebilde angebracht ist, hieß esrun, ist vor Zauberei sicher genauer gesagt: ein solcher Ast
schützt die Hausinsassen vor rheumatischen Schmerzen, vor„ Reißen im Kopf" oder, wie man diese Leiden nennt, vor dem„ Pilfasâst" oder kurz„ Pilfas"( Mz.„ Pilfeser"), die VerwachsungPilfasknopf". Sie wird ebenso wie das Leiden verursacht durchden„ Pilfaswind", das ist der Wirbelwind, der auch„ Radl- 1),Würflwind") oder„ Windsdrâll" ³) genannt wird; wenn er„ ineinen Baum schlägt", bekommt der Baum den„ Pilfas”. es wächstein solcher dicker„ Wed!”-; kommt der Wind auf einen Menschen,so hat dieser dann den„ Pilfas"; es schmerzt ihn im Kopf, in denZähnen falls er den Mund offen hielt oder sonstwo. Außerder Form„ Pilfas" oder„ Pilfes❞ genauer„ Pilfes" hörte ichauch„ Pilwes”,„ Pülfes”(„ Pülwes”) und„ Pulfes”. Daß„ Pilfas”ich gebrauche fortan meist diese Form dasselbe ist wie dasWort„ Bilwis", von dem es bekanntlich eine Fülle von Formengibt, schien mir von allem Anfang an sicher. Es veranlaßte mich,1) Zu„ radin", drehen, zusammendrehen( Lexer, Kärntn. Wörtb., 202).Würfl", Nebenform von Wirbel.
2)
3)
drain, droln“, schnell und zu wiederholten Malen drehen( Lexer,
a. a. O. 66).