56
Isbert hat, wie er im Vorwort sagt, diese Arbeit als einen Beitrag zurLandes- und Siedlungskunde Innerungarns und seiner deutschen Minderheiten-gebiete gedacht. Da es ihm darauf ankam, einen Beitrag zur wissenschaft-lichen Untersuchung des Volksbegriffes gegenüber dem Begriff des Staatesund vor allem dem der Nation zu geben, war eine volkskundliche Unter-suchungsmethode, die allerdings starke geographische und rein statistischeVorarbeiten notwendig machte, die gegebene. Wollte er besonders die Ab-grenzung der beiden Begriffe Volk und Nation untersuchen, so erwies sichgerade ein in den ungarischen Lebensraum eingeschlossenes fremdes Volks-tumsgebiet als sehr geeignet; die von magyarischer Seite geprägtenIdiologien haben nicht gerade zur Klärung des Verhältnisses der beidenBegriffe beigetragen.
_
Der erste Teil der Arbeit untersucht das südwestliche ungarischeMittelgebirge als Landschaftseinheit ohne Berücksichtigung der Volksgruppen.Die Mittelgebirgslandschaft wird in ihrer Eigenart gegenüber den beiden Tief-ländern im SW und NO deutlich herausgehoben und der Beweis ihrer Sonder-heit auch in siedlungskundlicher Hinsicht gegenüber den Randlandschaftendargelegt. Im zweiten Teil erfährt das Mittelgebirge eine Betrachtung alsLebensraum verschiedener Volksgruppen; hier schließt sich eine grundsätz-liche Erörterung über die Begriffe Volk, Nation und Staat, eine Darstellungdes ungarischen Volksbegriffes und die Stellung der Deutschen in Ungarnan. Eine statistische Untersuchung über die einzelnen Volksgruppen wendetein eigenes Ermittlungsverfahren an, das besonders auf soziologische Gesichts-punkte Rücksicht nimmt. Erst im letzten Teil wird eine Darstellung desheutigen Siedlungsbildes und seiner Entstehung( Schilderung des Ansiedlungs-vorganges) mit Berücksichtigung der Volksgruppen, besonders der Deutschen,gegeben. Mehr von der negativen Seite her wird das Mittelgebirge als eindeutsch geprägter Siedlungsraum bezeichnet, der eine Unterbrechung desmagyarischen Volksgebietes Innerungarns vorstellt.
Sehr wertvoll sind die der Arbeit beigegebenen Karten, die dieseZusammenfassung anschaulich ergänzen. Reichlich ist das über den engenRahmen der Arbeit hinausgehende große Literaturverzeichnis. Das Werk istals Ganzes, mag es auch in manchen Belangen, wie vom Verfasser in derEinleitung selbst zugegeben, noch nicht letzte Klarheit bringen, doch als eingroßer Fortschritt in der Methode der Sprachinselforschung anzusehen. Nichtzuletzt darf man den Wert des Buches darin einschätzen, daß es als erstezusammenfassende Darstellung des 170.000 Seelen umfassenden Deutschtumsdes ungarischen Mittelgebirges eine bewußte Eingliederung dieses Teilesunseres deutschen Volkes in den deutschen Kulturkreis anbahnt.
Dr. E. Lend 1.
Prof. Dr. Felix Burkhardt: Die Entwicklung des Wenden-tums im Spiegel der Statistik.( Die Lausitzer WendenForschungen zu Geschichte und Volkstum der Wenden, im Auftrag der Stiftungfür deutsche Volks- und Kulturbodenforschung, Leipzig, herausgegeben vonRudolf Kötzschke, Heft 6.) Langensalza. Verlag von Julius Beltz, Berlin-Leipzig.