Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde37 (1932) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
37 (1932) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 
  

24

Am Montag, sieben Wochen vor Ostern, spielt sich der bizarre Brauchder cucii( Kuckucke) ab. Die Kuckucke" tragen eine mächtige, mit Federngeschmückte Kapuze, eine aus einem Kürbis verfertigte Larve und eine großeViehschelle. So laufen sie unter unbeschreiblichem Lärm wie wild durch dieOrtschaften, und wehe dem, der sich nicht durch einige Sous loskauft! DieVerwandtschaft mit unseren ,, wilden Perchten" ist nicht zu verkennen. Dazukommt, daß die Kuckucke, gleich den Perchten, unter gewissen Bedingungendem Teufel verfallen sind. Sieben Wochen vor Ostern ist es auch Gepflogenheit,in Scharen die Straßen zu durchziehen und die zahlreichen herrenlosen Hundezu prügeln und zu quälen.

Der Gründonnerstag heißt Joi Mari, der Tag der Toten. Der Priesterbekommt( an Steile der Verstorbenen) reiche Geschenke an colacii( Kuchen),Wein, Kerzen und Obst. Er verliest die Namen derer, die unter der Erde ruhen.Die colacii sind Gebildbrote, die besondere Beachtung verdienen. Sie sind vonmannigfacher Gestalt, doch kehrt die Kreuzform im Umriß oder als Ornamentimmer wieder. Daneben gibt es auch Ringe und Achter( Sonnenbilder!) undgeflochtene Stücke. In die Mitternachtsmesse zu Ostern bringen die Bäuerinnenweiße Hähne und rote Eier( ebenfalls beides Sonnenbilder) dem Priesterzum Geschenk.

In dürren Sommern wird der Regenzauber des paparudele ausgeführt.Ganz junge Zigeunermädchen Glossar ::: zum Glossareintrag  Zigeunermädchen, nur mit Laub bekleidet, lassen sich, tanzendund ein darauf bezügliches Sprüchlein singend, von den Bauersfrauen mitWasser überschütten und dafür beschenken. Ein anderer Regenzauber istcaloianul, die Bestattung einer aus Lehm geformten kleinen männlichenPuppe durch junge Mädchen. Nach drei Tagen graben sie den caloianul ausund setzen ihn in einem winzigen Kahn auf das Wasser des Flusses.

Die Sitte der calusarii, im Monate Mal üblich, ist ein andauernder, sehrlebhafter Tanz unter seltsamen Gesten und Mienen. Der Verfasser will ihn inbreiter Erörterung vom Kult der Salier, der römischen Priestertänzer, her-leiten, wie er überhaupt der vorgefaßten Meinung huldigt, viele rumänischeVolksbräuche seien durch die alten Römer bei der Unterwerfung Daciens insLand gebracht worden. Die ungeheuere Macht der die ganze Menschheit seitUrbeginn beherrschenden Elementargedanken ist ihm bisher fremd geblieben.Bei so alten Kulttänzen, die den Zweck der Sonnenverehrung gemeinsamhatten charakteristisch ist das Beschreiben von Kreisen und Kreuzenfällt es natürlich nicht schwer, Uebereinstimmungen festzustellen. Von demerwähnten Vorurteil befangen, will der Verfasser auch den bekanntenMädchenmarkt von Targu als eine Darstellung des Raubes der Sabinerinnenerklären.

Zu verschiedenen Zeiten des Jahres wird die hora getanzt, ein Ringel-reigen, der mehrere Abarten zeigt. Die Schilderungen einer Hochzeit und desBärenführers machen den Beschluß.

Das Buch Vulpescos enthält eine größere Zahl von Lieder- und Schau-spieltexten, von Lied- und Tanzweisen, von Abbildungen volkstümlicherGegenstände und Brauchhandlungen. Es ist ein schätzbarer Beitrag zurSammlung der reichen und noch recht ursprünglichen VolksüberlieferungenRumäniens.Dr. Eduard Weinkopf.