15
forschung abspiegeln und die Grundlage der weiteren Forschung bildenkönnen. Wie das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, steht auchdas vorliegende Werk unter dem Protektorat des Verbandes deutscher Vereinefür Volkskunde und wird von der Mitwirkung der hervorragendsten deutschenund sonstigen europäischen Märchenforscher getragen. Die Anlage diesesHandwörterbuchs ist die gleiche wie diejenige des vorangegangenen Wörter-buches für den Aberglauben, die literarischen Grundlagen von gleicherund Gründlichkeit. Die Märcheninhalte und Märchenmotivegleicherweise wie die Märchenform( Beginn, Schluß, Formelhaftes usw.),Methodologie der Märchenforschung, Altersbestimmung der Märchen,die Anordnungsprinzipien finden ihre Bearbeitung in vorzüglichen Einzel-artikeln. Von inhaltlich bedeutungsvollen Artikeln heben wir aus den erstenvier Lieferungen die Aufsätze über die ägyptischen, die antiken undarabischen Märchenmotive besonders hervor, die für die vergleichendeMärchenforschung von besonderer Wichtigkeit sind. Ueberhaupt tritt das ver-gleichende Moment ähnlich wie beim Aberglauben ohne ausdrücklich
in der grundsätzlichen Anlage des Werkes betont zu sein, ganz von selbststark hervor und es wird sich dementsprechend vielleicht auch eine stärkereBerücksichtigung des romanischen speziell des französischen Märchen-materials, einzustellen haben. Wir werden auf den Fortgang des wichtigenUnternehmens noch öfters zurückzukommen haben.
Prof. M. Haberland t.
Deutsche Volkskunst. Herausgegeben vom Reichskunstwart EdwinRedslob. Band XII. Die Pfalz. Text und Bildersammlung von TheodorZink. Mit 231 Abbildungen. Delphin- Verlag, München.
Die Pfalz ,,, eine Musterkarte deutscher Natur", ist uns von W. H. Riehlschon vor vielen Jahren und 1924 neuerlich von A. Becker in ihrem Volkstunbesonders anschaulich gemacht worden. Ihre, heute uns in ihren Ueberlebselnund Resten volkstümlichen Kunstschaffens erhalten gebliebene Volkskunstwird im vorliegenden Bande, dem 12. der schon mehrfach in dieser Zeitschriftgewürdigten deutschen Volkskunstreihe, in Wort und Bild zur Darstellunggebracht. Die Pfalz war seit jeher ein Durchzugsland in politischer, wirtschaft-licher und kultureller Art. Bedeutungsvoll für die Geschichte des pfälzischenVolkstums sind die schweren Kriege, die über das Land kamen. Die Schick-sale des Bauernstandes, des eigentlichen Trägers jeglicher Volkskunst, warenhier nicht demnach angetan, ihre rege Entwicklung und vollends ihre un-gestörte Erhaltung zu begünstigen. Hier findet sich vielfach eine Mischung dörf-licher und städtischer Art, ja ein Vorherrschen des Städtischen auch auf demLande. In vielen Belangen ist die Pfälzer Volkskunst- ebenso wie diejenigevieler anderer deutscher Volkskunstgebiete bodenständig in Stoff undGestaltung, aber über Heimat und Stamm hinaus weist sie doch auch vielfachzur großen deutschen und europäischen Kulturgemeinschaft hin, besondersnach dem Westen ist der Einfluß des benachbarten Lothringen stark merkbar,desgleichen der vom Elsaß her. Die Anlage des Bandes ist derjenigen derfrüheren deutschen Volkskunstbände analog gehalten. In 231 Abbildungenwird eine überaus anziehende Fülle der Pfälzer Kunstbetätigung ausgebreitet:Dorf und Stadt, Siedlungsweise und Bauform, Hausanlage und Innenraum,
_