Library / Self-PublishedÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde36 (1931) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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36 (1931) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Rudolf Lehmann: Geschichte des Wendentums in derNiederlausitz bis 1815 im Rahmen der Landesgeschichte.( Forschungen zu Geschichte und Volkstum der Wenden, Heft 2). 140 Seiten,mit einer Siedelungskarte nebst 2 Deckblättern und 6 Tafeln. Langensalza,Julius Beltz, 1930.

Eingehen auf die landschaftlichen Besonderungen der Siedlungsbewegung,Hervorhebung gesicherter geschichtlicher Tatsachen ohne konstruktive Ver-allgemeinerungen sind Vorzüge der Schule Kötschkes, die auch an der vor-liegenden Arbeit hervortreten. Sie ergänzt in willkommener Art das Bilddeutscher Siedlungsarbeit durch Klarstellung dessen, was das wendischeVolkstum für das gesamte Kulturbild beizusteuern hatte: Mit den Kossäten,den Kietzen( Fischerdörfer) und Zeidlergenossenschaften sind Lebenskreiseangedeutet, die für die volkskundliche Ausdeutung von Sitte und Brauchwohl beachtet sein wollen, wenn einmal die Volkskunde hierin zu methodischerBetrachtung übergehen wird. Einen besonderen Gewinn bedeutet es, daß dieSprachenfrage das wendische hat sich, wenn auch in mundartlicherZersplitterung lange als ein Stück der Volkseigenart erhalten in ihremnatürlichen geschichtlichen Ablauf aufgezeigt wird. Auch hier wieder wirdauf dem Boden allgemeinen Kulturverständnisses die beste Einsicht für dieBeurteilung ihrer schicksalhaften Triebkräfte vermittelt. A. Haberlandt.

Otto Stolz: Die Schwaighöfe in Tirol. Ein Beitrag zurSiedlungs- und Wirtschaftsgeschichte der Hochalpentäler.( Wissenschaft!.Veröffentlichungen des D. u. Oe. Alpenvereines 5.) 197 Seiten, 1 Karte und12 Tafeln. Innsbruck 1930.

Flüssig lesbar und für jeden Bergfahrer anregend geschrieben, bietetdie vorliegende Arbeit eine gründliche Darstellung des Werdens der TirolerSchwaighöfe als der wohl ältesten Dauersiedlungen in alpiner Höhenlage inBereich der Ostalpen. Die schönen Bilder zusamt der Karte geben dem Volks-forscher übersichtlichen Aufschluß über Verbreitung und Artung dieser Höfe,die ihn zuallermeist vom kulturgeschichtlichen Standpunkt aus interessieren.Der Text behandelt in kurzer aber sehr inhaltsreicher Einleitung die Ein-ordnung der Schwaighöfe in das Wirtschaftsleben auch der benachbartenLänder; Entstehung und Wesen derselben in Tirol, ihr wirtschaftlicher Zweckund Ertrag, Verbreitung und Versorgung durch die Grundherrschaft werdenim Hauptteil mit topographischer Genauigkeit festgelegt. Knapper faßt sichder Verfasser bezüglich der baulichen Beschaffenheit dieser Höfe, die zumProblem der Paarhofsiedlung als einer altertümlichen Bau- Form der Alpen-hochtäler gegenüber den uns erhaltenen Architekturformen des Einheitsbauesder Talhöfe ein gewichtiges Argument bilden, da es sich hier gegenüber denkleinräumigen Bauten der Asten und Almen ja mit um die ältesten Dauer-Siedlungen handelt. Kann man sich auch von so statistischer Erfassung derBauformen, wie sie H. Wopfner als Voraussetzung kulturgeographischerKartierung ansehen möchte, nicht gleich viel geistigen Gewinn versprechen,so wäre doch eine verdienstliche Arbeit darin gelegen, in Entsprechung zuder angestrebten Vollständigkeit der Daten über jederlei Zinsgrößen derSchwaigen an Käse und die entfallenen Zuweisungen von Getreide, dochwenigstens talweise den vorwiegenden Baucharakter der Schwaigen zuanalysieren. Möge der Alpenverein der Anregung, die die Volksforschung hiervorzubringen hat, freundliche Fürsorge zuwenden. A. Haberlandt.