Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde36 (1931) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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36 (1931) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Beim Wenden gegen Brüche, gegen gewisse Hautkrankheiten( Zitterer) u. dgl. ist vielfach das Umfahren der leidenden Körper-stelle mit irgend einem Gegenstand üblich. Man benützt hiezu z. B.einen Apfel, auch eine alte Silbermünze( einen sogenannten Frauen-bildner" aus der Regierungszeit der Kaiserin Maria Theresia) u. dgl.

Vergl. Grillmayer: Ob.- Oesterr. Volksabergl. Z. f. öst. Volksk. 1913,128. Höfler: Volksm. u. Abergl. in Oberbayern, S. 36.

Verbohren von Krankheiten.

Mit dem Wenden ist mitunter die sinnbildliche Handlung desVerbohrens verknüpft, so z. B. beim Bruchwenden, beim Schwund-abbeten u. s. w. Es werden Fingernägel, Zehennägel, Haare des er-krankten Menschen in einem Zwetschkenbaum, einen Felberstock"( Weide), einem Eichenbaum u. dgl. verbohrt. Beim Fingerwurmmuß man den kranken Finger in ein Loch halten, das in einenZwetschkenbaum gebohrt worden ist. Es handelt sich um eine sinn-bildliche Krankheitsübertragung auf einen Baum.( Haag und Ertl,

Nieder- Oesterreich).

Auch im Innviertel, Ober- Oesterreich, kommt das Verbohrenvon Krankheiten vor.( H. v. Preen- Osterberg, Zeitschr. f. österr.Volksk., Wien 1909, S. 184). Es soll dort am ersten Freitag imMonat und zwar im abnehmenden Mond vor Sonnenaufgang er-folgen.

Mit diesem Verbohren von Krankheiten hängt auch folgendeszusammen: Wenn man im Stalle andauernd Unreim(= Unglück)hat, so konnten auch gewisse Leute etwas dagegen machen. Hiebeiwurden verschiedene Dinge im Türg'richt des Stalles verbohrt.Die verbohrten Gegenstände wurden mit einem Stöpsel verschlagenund es ist dem Verfasser ein Stall bekannt, wo noch solche Ver-bohrungen sichtbar sind. Heute dürfte dieser Vorgang kaum mehrgeübt werden( Ertl, Nieder- Oesterreich). Eine genaue Beschreibungdes ganzen Vorganges, wie der Unreim im Stall durch sympathe-tische Mittel behoben werden soll, gibt Schwarzbach in der Zeitschr.f. österr. Volksk., Wien 1897( Zaubersprüche und Sympathiemittelvon der ober- österreichisch- salburgischen Grenze). Nach dieserSchilderung werden drei Kätzchen vom geweihten Palmbaum, einStück vom Segenbaum"(: Sadebaum), ein Kranel von der Oster-kerze und etwas vom Kühlkrautkranzl verbohrt. Das Kühlkraut-