Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde36 (1931) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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36 (1931) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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sind gewisse Sprüche und Gebete verbunden. Man läßt nicht leichtjemanden dabei zusehen. Von Zeit zu Zeit( dreimal) muß dieKette wieder fester geraidelt werden.

Der Sohn eines mit dem Raideln vertrauten Mannes erzählt,daß sein Vater auch nicht viel auf diesen Zauber halte, doch dieLeute kommen von weit und breit mit den Viehketten und ver-langen die Amtshandlung. Lustiges wurde von einem Manne ausdem Hausruckviertel erzählt: Ein Bauer gab seinem Nachbar dieKette von einem kranken Rinde mit, da er zufällig in der Nähedes Sympathiedoktors zu fuhrwerken hatte. Leider vergaß derNachbar auf das Ueberbringen der Kette und war nicht wenigerstaunt, als der Bauer, dem das kranke Rind gehörte, kam, sichbestens bedankte und behauptete G'schwind hat's g'holfen. Gleihan is g'kennt". In Wirklichkeit ist aber die Kette noch gar nichtdem Anwender eingehändigt worden. Als Symptom des Aus-biegens" gilt das, wenn das betreffende Tier nicht über ein amBoden liegendes Holzscheit und nicht über den Türtritt steigenkann, also den Fuß nicht hoch zu heben vermag. Am dritten Tag,heißt es, kommt dann der Schwund" dazu. Man spricht vom so-genannten Fleischschwund"(= Atrophie).

H. v. Preen- Osternberg erwähnt das Kettenraideln in derZeitschrift f. öst. Volksk., Wien 1897 S 279( Bauernaberglaube i.Bez. Braunau a. Inn). Eine genaue Beschreibung gibt J. Schwarz-bach, St. Georgen bei Oberndorf( Salzburg) in der Zeitschriftf. öst. Volksk., Wien 1897( Zaubersprüche und Sympathiemittelv. d. salburgisch- oberösterreichischen Grenze). Schwarzbach weißauch über Sprüche und Gebete beim Kettenraideln zu berichten.Nach ihm ruft der Anwender den hl. Namen Gottes an mit demZusatz daß es vergeht und nicht mehr kommt, so Christus ge-storben ist und nicht mehr stirbt". Der zum Raideln verwendeteKnüttel soll während des Aveläutens am Abend abgeschnittenworden sein. Während des Raideins wird gesprochen: Ich reibedich im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes.Alpha,Sabah, Carabina! Heiligste Dreifaltigkeit, Herr Jesu Christ, durchden das ganze Haus gesegnet ist, reibe die Kugel in die rechte Star,wo sie zuvor gewesen war". Dann folgen drei Vaterunser zu Ehrendes hi. Leonhard, des Viehpatrones. Die Kette bleibt neun Tage ander Säule. Die Berichterstatter Schwarzbachs, ein alter Sympathie-dokter, hat behauptet, daß er beim Raideln schon wahrnehmenkönne, ob die Kur hilft oder nicht. Bei veralteten hartnäckigen