Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde36 (1931) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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36 (1931) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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sein, um gewisse Untugenden eines Pferdes zu vertreiben.( Sartori, Der Schuh im Volksglauben", Z. f. Volksk., Berlin 1894 Snach Bartsch, Sagen aus Mecklenburg II SWuttke, Der deutsche Volksaberglaube§ 392 u. 711, Grimm,D. Mythologie II. S 432 u. 453, I., S 137.)-

Ein Ueberrest des alten Schädelkultes?

Bei Drehkrankheit, das Drah'n" oder Würfligsein"( Gehirn-blasenwurm, Finnen vom Hundebandwurm, Coenurus cerebralis)wird mitunter von geschickten Kurpfuschern das Anbohren" vor-genommen( Trepanation). Beispiele hiefür sind dem Verfasser ausNiederösterreich und Salzburg bekannt. Der Verfasser hatte Ge-legenheit, einer solchen Operation beizuwohnen. Eine würflige"Kalbin wurde von starken Leuten festgehalten. Der Kurpfuscherbeklopfte mit einem Schlüssel die Hirnschale und fand die Stelle,an welcher die Blase war. Mit einem gewöhnlichem Bohrer wurdeein Loch gemacht und mit einem Drahthaken die Blase heraus-gezogen. Der Erfolg war scheinbar d. h. vorübergehend ein sehrguter. Nach einiger Zeit wurde die Kalbin rückfällig, manschlachtete sie und fand im Hinterhaupte Blasen vor.

Ein eigenartiges Sympathiemittel zur Verhütung weitererUnfälle durch Drehkrankheit wird aus dem Pinzgau mitgeteilt: Mansoll den Kopf des an Drehkrankheit zugrunde gegangenen Rindesam Dachfirst aufhängen, um den übrigen Viehstand davor zuschützen.

Eine Aehnlichkeit damit hat das auch aus dem Pinzgau mit-geteilte Verfahren: Wenn eine Kuh hinkeien tut(= verwirft), sosoll man die verworfene Frucht unter dem Dachfirst aufhängen. Essoll dann kein Rind mehr verwerfen.

J. v. Grillmayer, Offenhausen in Oberösterreich, teilt in derZeitschrift f. öst. Volksk., Wien 1903 S 239 mit, daß gegen den Wiafl"( die Drehkrankheit) der Schädel des notgeschlachtetenRindes am Wipfel einer Tanne aufgehängt und dort vermoderngelassen wird. Das soll vor weiteren Fällen schützen.

Es wäre naheliegend, dieses Vorgehen mit dem Schädelkultder alten Germanen im Zusammenhang zu bringen. AufgestecktePferdehäupter dienten zum Schutz und zur Abwehr des bösenZaubers. Die aufgesteckten Pferdeköpfe wurden in Skandinavienals Neidstangen bezeichnet. Die Wenden sollen zur Abwehrungund Tilgung von Viehséuchen um ihre Ställe herum Häupter von