6
Sind auch diese Zeugen einer frühzeitigen Wirksamkeitdeutschen Einflusses bei den Kärntner Slowenen noch nicht rest-los zu erklären, so bilden sie doch Tatsachen, über die man nichthinweg kann. Sie geben aber eine gesicherte Grundlage, um Er-scheinungen des Volkslebens aus jüngerer Zeit, die jedoch gleich-falls in die Frühzeit der Volksgeschichte hinaufragen, nach dergleichen Richtung hin ausdeuten zu können. Für diese Fälleentbehren wir freilich mit wenigen Ausnahmen der schriftlichenUrkunden aus älteren Tagen.
Ein Brauch, der heute noch unter den Slowenen Unter-kärntens lebendig ist, soll dieses Problem in die Gegenwartherüberleiten. Es ist dies der Nikolausumzug, der fast inallen Gemeinden des slowenischen Kärntner Unterlandes als Gaben-fest die Stelle des städtischen Weihnachtsfestes vertritt. Am Abenddes 5. Dezember oder am vorhergehenden Samstag bricht Nikolausmit seinem Gefolge auf und wandert, ebenso in der drauffolgendenNacht, bis zum Einbruch der Morgendämmerung in den oft schwerersteigbaren Vorbergen des Saualpengebietes ohne Rücksicht aufWetterunbilden und verschneite Wege von Haus zu Haus. SeinGefolge wird geführt von einem„ Amtsboten", der eine neuzeitlicheUniform trägt und für die Aufrechterhaltung von Zucht undOrdnung in der Begleitschar verantwortlich ist. Die aus der Scharhervorstechenden Gestalten sind der sogenannte„ Narr", dann einzottiger Geselle mit langem Bart aus Baummoos, ferner der so-genannte„ Tod" und eine Hexe„ Pechtra". Den Beschluß bildenetwa 20„ Bartel", das sind Teufelsgestalten, die in Loden- undLammfelle gekleidet sind und auf ihren rußgeschwärzten Köpfenallerlei Tierhörner tragen. Im Rosentale fehlt Nikolaus gänzlich,dafür jagen aber 8 bis 10 kettenklirrende, schwarz vermummteGestalten( Bartel genannt) in wilder Hetze durch die Dörfer.Sowohl die einzelnen Gestalten dieses Aufzuges als auch ihreVereinigung zur Begehung eines seit alter Zeit wichtigen Zeit-abschnittes verdienen unsere höchste Aufmerksamkeit. Denn ihnenliegen Gedanken zugrunde und sind so klar ausgeprägt, wie sienur aus der wissenschaftlichen Zergliederung der gleichen Jahres-zeitenbräuche in deutschen Landen gewonnen werden konnten.
Wenn auch Nikolaus aus der christlichen Legende stammt,reihen sich doch die hier genannten Bräuche an alte deutsche Be-gehungen. Das sind die Umzüge und das Lärmen von verkleidetenPersonen. Durch Lärmumzüge in der Zeit des Winterdunkels und