3
Kärnten noch heute die Städte und Märkte und größeren Industrie-orte ganz oder vorwiegend deutsch, während nur an den mittlerenund östlichen Randgebieten des lang gestreckten Landes die Slo-wenen mehr oder minder geschlossen wohnen.
Wie innig dieses Neben- und Durcheinanderwohnen in derältesten Zeit stattfand, davon zeugen die urkundlichen Belege fürdeutsche und slawische Zeugen, deutsche und slawische Huben inderselben Gegend, ferner das Auftreten von Ortschaften neben-einander, von denen die eine einen deutschen, die andere einengleichbedeutenden slowenischen Namen trägt, was also einer ur-sprünglich deutschen neben einer ursprünglich slawischen Siedlungentspricht. Früh muß auch schon das deutsche seine starkeAnziehungskraft auf die Slowenen geübt haben, denn früh schonerhalten slawische Orte deutsche Bezeichnungen und legen sichslowenische Edelinge deutsche Namen bei. Unter diesen Umständenmußte die Kultur- und Sprachmischung wie kaum anderswogedeihen. Wie bei den Kärntner Slowenen Lebensführung, Sitteund Brauch, Hausbau, Volksglaube, ja selbst das Volkslied, vollsind von deutschen Elementen, so auch ihre Volkssprache*).
So ist es kein Wunder, daß im gesamten VolkslebenKärntens der deutsche Grundzug vorherrscht, und zwar auch inGegenden mit gemischtsprachiger oder rein slowenischer Be-völkerung. Ja es haben sich nicht selten alte deutsche Zuständeund ihre Namen unter den Slowenen viel reiner erhalten als unterden Deutschen, bei denen der rascher wirkende Kulturfortschrittdie älteren Bestände verwischt hat. Daraus geht aber deutlichhervor, daß die slawische Landnahme in Kärnten keine voll-ständige war, sondern Deutsche und Slowenen stark gemischt durch-einander und nebeneinander wohnten. Die völlige Durchdringungdes gesamten Lebens mit deutschem Geiste kann weiter nur möglichgewesen sein, weil wahrscheinlich die deutsche Besiedlung anbereits vorhandene germanische Lebens- und Anschauungsformenanknüpfte und die weitere Verschmelzung der Ansiedler zu einemeinheitlichen Kärntner Volksstamme durchaus kampflos undfriedlich vor sich ging. Die restlose Aufhellung dieses Problems ist
*) Es ist das dauernde Verdienst des Kärntner Gelehrten PrimusLessiak, dessen Arbeit über Alpendeutsche und Alpenslawen in ihren sprach-lichen Beziehungen diese Hinweise entnommen sind, das Problem der Sprach-mischung in große kulturgeschichtliche Zusammenhänge gestellt zu haben.( Germ.- röm. Monatsschrift 1910, 274 ff.)
1*