Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Stellenweise sollen die bosnischen Dorfältesten auch jetztnoch das Schallbrett anwenden, wenn sie die Gemeindemitgliederzu Beratungen oder zu einem anderen Zwecke zusammenrufenwollen. Früher soll jeder Hof ein solches Brett gehabt haben, aufdas man schlug, wenn Räuber einen Angriff machten oder wennFeuer ausbrach11). Auch die Bulgaren, also wieder ein sla-visches Volk, kennen das Schallbrett. Das hier abgebildete Brett( Abb. 6), ist in einem Kloster gebraucht worden. Am nächsten

Abb. 6. Bulgarische Klosterglocke.

könnte man es mit dem Schallbrett der Huzulen vergleichen( Abb. 5).

Es ist unwahrscheinlich anzunehmen, daß das querhängendeSchallbrett auf germanischem Boden ursprünglicher wäre und vondort zu den slavischen Völkern gelangt sei. Leichter ist die Ueber-tragung in umgekehrter Richtung zu erklären. Es ist zu beachten,daß man die Hillebille in Deutschland aus solchen Gegenden kennt,in denen früher eine slavische Bevölkerung gelebt hat( Pommern,Erzgebirge). Das oben erwähte Oedenburg liegt ja an der Grenzeder Steiermark, aus der auch andere volkskundliche Hinterlassen-schaften der Slaven bekannt sind. Was schließlich den Harz betrifft,aus dem die ausführlichsten Angaben über das deutsche Schallbrettstammen, so teilt Andree mit, daß die Hillebille seinerzeit von denNeuansiedlern aus dem Erzgebirge dorthin gebracht worden ist12).Die Harzgegend ihrerseits scheint ein Zentrum gewesen zu sein,von dem sich dieser Gegenstand weiter nach verschiedenen Seiten,vor allem nach Westen und Nordwesten verbreitet hat13).

11) Čurčić, Rezente Pfahlbauten von Donja Dolina in Bosnien. Er-gänzungsheft IX d. Zschr. f. öst. Volkskunde, S. 76 und Taf. II, 6.

12) Braunschw. Volkskunde, S. 185.

13) Die deutsche Bezeichnung des Schallbrettes, Hellebille,Hillebille hat man auf vielerlei Weise zu erklären versucht. Besondersüber den zweiten Teil des Wortes sind verschiedene Ansichten geäußert.worden. Nach M. Kahlo, der die Frage zuletzt vom kulturgeschichtlichenund sprachlichen Standpunkt aus behandelt hat( W. u. S., XI, 1928), ist dieErklärung des Namens noch immer offen. Am wahrscheinlichsten erscheintdie Ableitung des zweiten Teiles des Wortes von dem mittelhochdeutschenVerbum billen, schlagen, Lärm machen( vgl. russ. bilo( Schaltbrett) zubit'( Schlagen); eng. bell Glocke).