Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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formte Votive vor, die, weil in Deutschland nicht mehr gebräuchlich,unser besonderes Interesse wachrufen. Professor Tkalcic fand sie inverschiedenen Kirchen im Kulpatal( Kroatien), wie in Recica undkonnte mehrere Exemplare für das ethnographische Museum er-werben. In Recica, wohin ich von Karlovac aus fuhr, konnte ichmich persönlich von ihrem Vorhandensein überzeugen. Es fandensich männliche und weibliche Figuren, eine Hand und Kinder. DieAbbildungen sind nach den Objekten meiner Sammlung, die mirdurch Vermittlung des ethnographischen Museums in Zagrebbesorgt wurden, gefertigt. Die Bäuerin knetet diese Votive beiBedarf aus freier Hand, wobei ihr ein dickes, vorher erweichtesWachsstück als Masse dient. Die Größe der Figuren bewegt sichzwischen 10 und 15 cm, die Beine sind der leichteren Bildbarkeithalber geschlossen, manchmal deuten rohe Eindrücke am Kopfeschwach das Gesicht an. Die Arme sind entweder aus dem Stückheraus gefertigt, oder bestehen aus einem dünn gerollten Wachs-streifen, der um den Leib herumgelegt und ihm eingedrückt wird;vorne ist diese Rolle breit gedrückt und mit den Händen aneinander-geklebt, wodurch die betende Handstellung zum Ausdruck gebrachtwird. Kleiner, aber im Prinzip genau so gefertigt, sind die Kinder;die weiblichen sind dadurch kenntlich gemacht, daß am Hinterkopfein Stückchen Werg oder rote Wolle ins Wachs gedrückt ist, denZopf symbolisierend. Abweichend von diesen sogenannten Voll-figuren wurde eine große männliche Gestalt dadurch hergestellt,daß man das Wachs wohl auf einer Tischplatte breit drückte, unddann die ungefähren Konturen herausschnitt, wodurch eine Art vonflacher Umrißplatte entstand. Tierfiguren in dieser Art sind mirnicht untergekommen. Die Kinder werden meist bei Unfruchtbarkeitgespendet. In Recica fand ich auch doppelseitige, aus Formen ge-gossene Votivfiguren, die wohl dadurch entstanden sind, daß nurein Halbmodel vorhanden war, und man zwei Güsse mit der nicht-ausgeführten Rückseite aneinanderklebte.

Eine weitere Spezialität sind die zopfartig aus Wachs ge-flochtenen Ketten oder Kränze, Tafel I, Abb. 1, die das ethn. Museumvon Zagreb gleichfalls aus Recica erwarb. Bei meinen Unter-suchungen an Ort und Stelle fand ich diese Ketten noch in großerZahl in einer Kiste in der Sakristei der Dorfkirche aufbewahrt,während die übrigen der oben geschilderten Opfergaben nur sehrspärlich vertreten waren. Die Ketten werden aus rotem, weißemoder gelbem Wachs gefertigt, sind verschieden lang, meistens aber