Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Auch ist in zahlreichen Wallfahrtsorten der Verkauf dieserWachsvotive überhaupt eingestellt worden. So erfuhr ich in demberühmtesten und bislang votivreichsten marianischen Wallfahrts-orte von Oberkrain, Brezje, daß seit dem Kriege die Wachsvotivenicht mehr geführt würden. Den Verkäuferinnen in den zahlreichenKrambuden am Kirchplatze waren sie nur mehr aus der Erinnerungbekannt; auch in Ljubljana hat der Wachszieher den Betrieb ein-gestellt, einzig in Zagreb und Bistrica( Kroatien) konnten die ge-suchten Gegenstände noch gekauft werden. In anderen Wallfahrts-kirchen sind die Figuren noch aus früheren Zeiten vorhanden, undwerden aus dem in der Kirche und in der Sakristei aufbewahrtemVorrate an die Wallfahrer zum Opfergang ausgeliehen, aber nichtmehr neu hergestellt.

Um gleich an dieser Stelle auf ein spezielles Votiv, nämlichdie Kröte als Symbol der Gebärmutter zu sprechen zu kommen,so beziehe ich mich hier auf die Abhandlung von Mirko Kus- Niko-lajew Votive nerotkinja"( Etnolog 1928, Zagreb) und auf meineigenes Buch: Das Gebärmuttervotiv 1929", worin das Problemnach der prinzipiellen Seite erörtert wird. Die genannte Sitte hatwohl aus den benachbarten kärntnerischen und steirischen Gebietennach Jugoslavien übergegriffen, und zwar gleichfalls in der Zeitder Gegenreformation. Professor Tkalcic gelang es, wächserneKröten in folgenden Orten nachzuweisen: Zagreb, Bistrica, Recica,Pokupsko, Zazina, Pokupski- Brest, Karlovac( für Kroatien), Toranyund die Gegend von Pakraz und Sissak( für Slavonien). Weiterhinab ist die Sitte nicht mehr gedrungen. Der oben angeführteBericht im Etnolog deckt sich ohne nähere Ortsangaben mit obigerAussage. Der Verfasser bringt Abbildungen von Wachskröten ausBistrica und Stenjevec. Durch Anführung des letztgenannten Orteswird die Liste der Fundorte durch einen weiteren Beleg ergänzt.Die Abbildungen weichen von dem in Deutschland üblichen Durch-schnittstyp nicht ab; im Vergleich zu dem von mir in Zagreb er-worbenen Exemplar, das nur die gröbsten Umrisse wiedergibt,sind sie etwas sorgfältiger ausgeführt. Was Slavonien betrifft, sokann ich die Kröte nachweisen aus Brezje und durch Umfragenerfuhr ich, daß auch im übrigen Oberkrain dié Krötenopferung bisvor dem Krieg in einzelnen Fällen vorkam.

Außer den gewerbsmäßig hergestellten Wachsvotiven, Tafel I,Fig. 2-7, kommen in entlegenen Gegenden auch noch handge-