42
7. Wetterprozessionen: Prozessionen um Regen, und schönesWetter fanden bis in die letzte Zeit nach derselben Waldkapellemit einer Lorettomadonna( schwarze Madonna) statt. Früher wardie Beteiligung allgemein und vor 25-30 Jahren nahm auch dieGeistlichkeit daran teil( eine eigene kleine Fahne, die jetzt nochvorhanden ist und für dieses„ Betengehen" bestimmt war, wurdedem Zug von einem Ministranten vorausgetragen; ich selbst habedas mehrere Male getan). Die Mehrzahl der Teilnehmer warenFrauen, Männer hielten sich meist fern. Da die Bauern undBäuerinnen nicht mittaten, lehnten es auch die kleineren Landwirte-frauen und besitzlosen Inwohnerinnen mit der Zeit ab, für dieanderen um Regen und schönes Wetter beten zu gehen. Die frühereallgemeine Beteiligung von bodenbesitzenden und nicht besitzendenGemeindeangehörigen war der Ausdruck für die gemeinsame Ver-bundenheit aller Bauersleute.
Die erste Frucht des Baumes soll ein Vater oder ein Kindnehmen. Wird diese gestohlen, so trägt der Baum nicht mehr oderstirbt ab. Dieser Glaube ist noch jetzt lebendig.
IV. Haus und Vieh.
1. Hennen. Wenn die Hennen Eier ohne Schale nur mit derHaut legen, gibt man ihnen gern geschabte Kirchhofsmauer; auchjetzt noch wird dieses Verfahren von manchen Frauen angewendet.Damit sie fleißig legen, ließen viele( manche tun es auch jetztnoch) am Palmsonntag in einem Säckchen Gerste weihen, die sieihnen am Ostersonntag als Futter gaben.
Damit im Jahr mehr Hennen( Singerl) als Hähne werden,muß am Ostersonntag das„ Stubenmensch" mit dem Geweihtenvor den Burschen heimkommen. Würden die Burschen( der Hirten-bub und Futterer) zuerst zu Hause sein, würden mehr Hähnewerden. So verlassen noch jetzt die Mädchen am Ostersonntag dasHochamt vor Schluß und es beginnt ein Wettlauf nach allen Rich-tungen zwischen Mädchen und Burschen.
2. Bienen. Man darf sie nicht beschimpfen, nicht Fluchworteüber sie aussprechen, weil sie das Wachs machen, aus dem Kerzenverfertigt werden, die man zum Sterben braucht, um den bösenFeind zu vertreiben. Den Bienen soll der Tod des Besitzers ange-sagt werden; sie dulden kein Glockengeläute. Damit man für das