Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Mit Ratzeneisen und Schereisen wird den Ratten und dem Maulwurf zu Leibegegangen, HoahachlFlachshechel- und das Rullbrett, mit dem die überden Nudelwalker gelegte Wäsche geglättet wird, gehören in den Bereichder Hausfrau.

Besonderer Beachtung erfreuen sich die Tiere, aus deren Verhaltensich auf das kommende Wetter schließen läßt oder die sonst auf das Lebenvon Einfluß sind. Ruft der Gießvogel, auch Baumhackl genannt derSpecht sein eintöniges giaß, giaß!", droht Regenwetter. Ebenso wennam Abend die Sunnawendkäferl- Glühwürmer zahlreich herumschwirren.Wie allerorts trägt das Wiesel auch hier sein weißes Fell im Frühjahr solange als noch Schnee zu erwarten ist. Das Tier gilt für giftig. Besonderswenn es gereizt ist, soll sein Biẞ unfehlbar Blutvergiftung hervorrufen.Das Gebiß des Marders scheint hingegen eine gewisse Schutzwirkung aus-zuüben. Es wird in einen Ameisenhaufen gelegt, bis alles Fleisch davon ab-gefressen, und prangt dann an der Uhrkette. Gefürchtet ist der Schmutz derFledermaus. Fällt er auf das Haar, so verfilzt es sich und geht aus. ,, Es machtgleich eine ganze Platscheankn. Schwalbendreck bringt, wie auch sonst inSteiermark, Blindheit. Die Spinnenetze, Liebesbriefe genannt, künden einebaldige Hochzeit im Hause. Der Glaube, daß die Zerstörerin eines solchenNetzes nie mehr einen Liebesbrief erhalte, ist nicht verbreitet, dürfte aber dochim Zusammenhang mit der Bezeichnung stehen. Als Dominik schwirrt derrosig schimmernde Zaunkönig durch die Felstäler, das Haartrellerl, eine ganzgraue Art der Bachstelze, hält sich gern bei den Herden auf, eine Eigenschaft,die ihr sonst in Obersteier den Namen Schoffhalterl eingetragen hat. Drillendrehen. Schmeller, Bayrisches Wörterbuch, Spalte 566.

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In den sauber gepflegten Gärten wachsen neben den Zierpflanzen,wie den Dahlien, deren Namen meist unbekannt ist manchmal nennt mansie Wienerstern den Fuchserln_ Fuchsien- dem Ziegenbart- Phlox-den Fensterguckerln Kapuzinerkresse und der Herzblum TränendesHerz einzelne Rosen. Ihre Blätter werden mit Oel zu Wohlgeruch ange-setzt, getrocknet gegen Zahnweh geraucht. Der Bocksbart- buxus semper-virens liefert einen Tee gegen Wassersucht, Kreß und Schnittling würzenden Salat. Der Luschstock Levisticum, der Gelsen vertreibt, gibt einenTee gegen Lungenleiden und verbessert die Suppe. Aber während sonst inObersteier, z. B. Knittelfelder Gegend, der Luschstock auch Herr im Gartengenannt wird, gebührt im Mürztal sowie in der Mariazeller Gegend der NameHerr im Garten nur der Artemisia Abrotanum, Stabwurz, fälschlich Edelraute.Diese Artemisia heißt in der Knittelfelder Gegend Weinkraut, bei Lobming( b. Knittelfeld) Alter Mann. Ueberall bindet man sie wegen ihres Duftes inSträußchen, würzt damit den Wein und mit ganz kleinen Mengen die Suppe.Erfreut ist die Hausfrau, wenn sie beim Umgraben des Gartens unterder Erde die Hohlwurz entdeckt radix Aristolochiae, ein hohlesGewächs, das gepulvert trotz seines bitteren Geschmackes gern als Medizingenommen wird.¹) Die Gundlruam Gundelrebe Glecoma hederacea

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1) Steirischer Wortschatz als Ergänzung zu Schmellers BayrischemWörterbuch ges. v. Theod. Unger, bearb. und herausgegeben v. Dr. Ferd.Khull. Graz 1903. Leuschner und Lubensky. S. 353, 265, 361, 463, 52, 518.