Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Auf Abbildungen von Apotheken aus älterer Zeit, oder inMuseen aufgestellten Apotheken habe ich sonst keine L. gesehen,immer nur ganze, meist ausgestopfte Tiere. Trotzdem ist die Frage,ob die Ladenschlange aus der Stadtapotheke stammen könnte,ernstlich zu erörtern.

Man muß zwischen der L. und dem ganzen Tier scheiden.Die L. ist ein Nutzgegenstand, ein Halter oder Träger, das ganzeTier ein Symbol oder Reklamemittel. So wird es auch z. T. auf-gefaßt. Unter dem Bilde einer Nürnberger Apotheke um 16008)steht, das ausgestopfte Krokodil solle dem Laden ein geheimnis-volles Gepräge geben. Die Annahme liegt nahe, daß das Aufhängenexotischer Tiere, wohl auch der Fabeltiere, aus dem Süden stammtund mit den ausländischen Heilmitteln eingeführt wurde.

Die einfache Stange( ohne Tierköpfe), die an zwei Hakenvon der Decke hängt, ist auch aus Darstellungen römischer Kauf-läden bekannt.9) Die Sache ist so einfach, daß sie überall erfundensein kann. In einer Zeit, in der man fast alle Hausgeräte mit Tier-köpfen zu schmücken begann, könnte auch sie Tier- vor allemSchlangenköpfe erhalten haben. Die L. aus Schlesien im BerlinerMuseum, eine Stange, um die sich zwei Schlangen winden, erinnertsehr an den Stab des Äskulap oder an das Kerykeion des Hermes.Beide Symbole würden gut für Läden, der Äskulapstab besondersfür solche, in denen Heilmittel verkauft werden, passen. Aber-gläubische, halb scherzhafte Vorstellungen von geldbewachendenoder geldbringenden Drachen, vom bannenden Blick, könnten sichdann leicht aus zweiter Hand an die Tiere und an die mit Tierköpfenversehenen Stangen angeschlossen haben.

Bedeutungsvoll ist aber die Tatsache, daß deutlich gekenn-zeichnete Augen, ein gähnender Rachen mit Zähnen und ausge-streckter Zunge stehende Züge an der L. zu sein scheinen. Dassind wohlbekannte, alte volksmäßige übelabwehrende Motive unddeuten, was bei einem so einfachen Gegenstand, wie die L. sehrwahrscheinlich ist, auf eine volkstümliche Herkunft. Der Form nachsehr gut vergleichbar( Abb. 2) sind die Kronstänger in Dalarne inSchweden, kurze Querstangen, die in Tierköpfe endigen und dieauf den beiden Längsbalken des Hauses ruhen. VerschiedeneGegenstände werden an ihnen aufgehängt. Auf den ältesten Stücken

8) Peters, Arzt etc. Abb. 82.

9) O. Jahn, Römische Handwerkszeichen. Bericht der sächsischenGesellschaft d. Wiss. 1861, Tafel XI, 2, S. 371; Tafel IX, 9; XIII, 1.