Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
35 (1930) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Die Ladenschlange.

Von Dr. Lily- Weiser- A all, Oslo.

Mit zwei Abbildungen.

Das Museum für Volkskunde in Wien besitzt eine hölzerneSchlange aus dem Grödenertal, die über einer Wiege an der Wandbefestigt gewesen sein soll. Professor A. Haberlandt machte michauf diesen Gegenstand aufmerksam und erzählte mir von ähnlichenSchlangen, die früher in Greislereien über dem Ladentisch aufge-hängt waren. Dadurch angeregt, suchte ich über die Verbreitungund Geschichte dieser Schlangen Klarheit zu gewinnen.

In der mir bekannten deutschen volkskundlichen Literaturwußte ich sie nirgends erwähnt. Auf einer Wanderung durch Tirolsah ich in Sterzing in mehreren Geschäften besonders schön ge-arbeitete hölzerne, einfarbig braune Gestänge über dem Laden-tisch; zwei Schlangen, deren Köpfe oder Schwänze in der Mittekunstvoll verschlungen waren. Meist waren die gähnenden Köpfemit ausgestreckter Zunge, deutlichen Zähnen und Augen an denbeiden Enden der Stangen. In Graz fand ich in einer großenDrogerie ein ähnliches Gebilde, das aber an Stelle der Schlangen-köpfe in zwei Fischweibchen endigte. Dozent Geramb erinnertesich, hölzerne Schlangen in Graz und auf dem Lande in ver-schiedenen Läden gesehen zu haben. Auf meine schriftlichen Um-fragen habe ich folgende Antworten erhalten. Leider habe ichkeinen Namen für den Gegenstand erfragen können und nenne ihn,bis ich einen besseren höre, Ladenschlange.

Dr. Frischauf, Eggenburg, Niederösterreich, teilte mir mit,solche Ladenschlangen in Museen und Kaufläden recht oft gesehenzu haben. In Eggenburg hängt eine Schlange mit einer großenKrone auf dem Kopfe heute noch in einem Geschäft. Dr. Frischaufvermutet, daß die Ladenschlange die Berechtigung zum Verkaufevon Kolonialwaren anzeigen solle, wie bei Apotheken die Alliga-toren den Verkauf überseeischer Heilmittel. Alle älteren Kaufleute,mit denen ich sprach, fassen diese Schlangen als Zeichen der Ge-