Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde34 (1929) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
Jahrgang 
34 (1929) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
Einzelbild herunterladen
 

124

Die Fülle der künstlerisch wie kunstgeschichtlich gleich bemerkens-.werten Truhen und Kastenmöbel ist in zum Teil wandelgangartig gereihtenSchausälen des oberen Geschoßes übersichtlich dargeboten. Reichste Ent-faltung offenbart die in der Ueberlieferung ganzer Generationen von Holz-bildhauern fortgeerbte Schnitzerei des Oberinngebietes, systematisch ein-dringendes Studium vereinigt sich glücklich mit dem Verständnis für an-sprechende Schaustellung bei den Zillertaler und Alpacher Möbeln; dieweniger übersichtlichen Stilreihen von Truhen aus allen Teilen Tirols werdenin den Wandelgängen durch die Erzeugnisse der Hafnerkunst, Glas-,Schmiede-, Kupfer- und Zinnarbeiten in gruppenweiser Zusammenfassungergänzt.

Auch der Benützung von Vorlagestücken der Eisensammlung und Zier-schnitzereien ist in besonderen Sälen reichlich Raum geboten. Man mag diejungen und tatkräftigen Männer, die diese Aufstellung unter den immer nochschwierigen äußeren Verhältnissen dieses Winters binnen Jahresfrist zustandegebracht haben, Dr. J. Ringler und Dr. V. Oberhammer, zu dieser Leistung auf-richtig beglückwünschen. Sie haben zudem mit einer schön ausgestattetenund mit reichem Bilderschmuck versehenen Veröffentlichung in zahlreichenBeiträgen gediegene Grundlagen für die Erkenntnis von Geschichte und Artder Tiroler Volkskunst in ihrem Wirkungskreis gesammelt und geschaffen." ¹)

Möge die Öffentlichkeit und namentlich die Jugend, was hier als eineWarte der Volksheit Tirols mit so viel Liebe und Verständnis aufgerichtetwurde, in dankbarem Eingehen auf seine angestammte Art sich innerlichwahrhaft zu eigen machen! Aber auch jeder auswärtige Forscher darf sichvon diesem netiesten und schönsten Volkskunstmuseum der österreichischenLänder in seiner besonderen Eigenart reichen wissenschaftlichen Gewinnerwarten.

Die Bauernleier im Pinzgau.

Von K. Adrian, Salzburg.

Wenn der Bub sein Maipfeifer verfertigt oder auf dem Jahrmarktsein Kreuzerpfeiferl erhält, fühlt er sich glücklich. Nicht viel anders ist esauch bei den Alten. Da ist zunächst der Kunstpfeifer, dem es manchmal ge-lingt, sogar Doppeltöne herauszubringen; eine Stufe höher steht schon dasSpiel auf dem mit dünnem Seidenpapier überzogenen Haarkamm, in welchemdie Weise eigentlich hineingesungen wird.

Vereinzelt trifft man auch noch im Gebirge die selbstverfertigte,, Katzenorgel" an. Sie besteht aus Röhren von Schilf oder Gänsekielen, die,

1) Tirol, Natur, Kunst, Volk, Leben, 2. Folge, Heft 4, 1929.Beiträge von Dr. W. Stemmer( Baugeschichte).

Dr. V. Oberhammer( Die gotischen Stuben).

Dr. Ringler( Museumsgeschichte, Tiroler Bauernmöbel),Hermann Manz( Religiöse Volkskunst).

Kunibert Zimmeter( Tiroler Schmiedekunst).

Gertrud Pesendorfer( Trachtensammlung).