Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde34 (1929) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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34 (1929) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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aus betrachtet, ist es vor allem notwendig, zwei große Gruppenzu unterscheiden: die produzierende Magie und die prophylak-tische Magie( siehe oben). Zur ersten Gruppe gehören: 1. diekarpogonischen Gebräuche, die den Zweck haben, die produktivenKräfte der Erde zu fördern und die Ernte zu sichern, 2. die ka-thartischen Gebräuche, d. h. Reinigungsakte mit Hilfe besondererGegenstände oder Handlungen, die eine lustrierende Kraft besitzen,3. die mantischen Gebräuche, d. h. Formen der Wahrsagekunst,die Ernte betreffend und 4. die diaphthartischen, d. h. zerstörendenverderbenden Handlungen( Schadenzauber der deutschen Ethno-graphen), wobei die mit ihnen verbundene Gegenzauberei(>> thecounter charm« der englischen Gelehrten), nach unserer Klassifikationzur Gruppe der prophylaktischen Handlungen gehört.

1. Protreptische 2") oder produzierende Magie.

1. Karpogonische Gebräuche. Hierher gehören:a) das Hüpfen, Springen und Tanzen als Beschwörung desWachstums. Man tanzt um die letzte Garbe21) zum Erntefest, beidem bald der Besitzer des Feldes mit einer aus den letzten Aehrengebundenen und mit Bändern geschmückten Erntepuppe tanzt.bald das älteste Ehepaar des Dorfes, dann der Hausherr mit derHausfrau oder der Schnitter mit seinen Gehilfinnen 22). Mädchen,die zum ersten Mal jäten, müssen so hoch als möglich springen).Das Hüpfen vor und nach der Aussaat des Flachses fördert seinWachstum 2); die Burschen springen in die Höhe, damit das Ge-treide ebenso hoch werde, wie ihr Sprung 25).

b) Eine ähnliche Bedeutung hat das Emporwerfen von ge-wissen Gegenständen: Samen 26), Korb 27), Sack 28), Erdklumpen 29),Eier 30) usw. So hoch der betreffende Gegenstand hinaufgeschwun-gen wird, so hoch soll das Getreide wachsen.

20) Meine eigene Bezeichnung.

21) Sartori II, 89.

22) Ibid. 97.

2) Ibid. 113, A. 36.

4) Ibid. 109, III; Pfister, Schw. Volksbr. 1924, 83.

5) Frazer, I, I, 137 ff.; E. Fehrle, Waffentänze, Bad. Heimat I. 2.1914, 161-180; J. Bystroń 238 ff.; Oesterley, The Sacred Dance, Cambr.1923, Magische Elemente im modernen deutschen Volkstanz untersuchtP. J. Bloch, Hess. Bl. XXV. 1927, 124 180; vgl. 16. XXVI, 1928, 26-80.2) Rantasalo, 32, 49; Sartori II, 65.

27) Rantasalo, 32, 61.

28) Sartori II, 109-110, A. 6.

28) E. Aničkow, Wessennjaja obrjadow. pesnja( Das rituelle Frühlingslied), I, 1903, 351.

30) Ibid. 348.