Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde34 (1929) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde

  
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34 (1929) / Wiener Zeitschrift für Volkskunde
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Zur Festtagstracht gehört das sogenannte falsche Goller", das sichdadurch vom gewöhnlichen unterschied, daß es auch vorne an der Brustmit Spitzen besetzt war( Tafel II, Abb. 8).

6. Im Winter und bei kälterer Jahreszeit wurden unter dem Miederdie Unter är mel" getragen. Im Sommer fehlten sie und man ging inHemdärmeln mit bauschigen Falten. Diese Hemdärmel waren vorne mitSpitzen besetzt, bis an den Ellenbogen zurückgestülpt und dort mit rotem Bande festgehalten. Die Unterärmel bestanden aus schwarzm Loden, die Aermel waren ähnlich wie bei den heutigen" Tschoapen"( Frauenjacke), endeten an den Ellenbogen mit einem Bug aus rotemTuch, das wieder mit schmalem blauem Bande abgefaßt war. Die Unter-ärmel wurden insoferne von Bedeutung, als sich aus ihnen der heutigeTschoapen" nach Wegfall des Mieders entwickelte. Sie wurden Sonn-tags und Werktags getragen. Bei der Klage trat an ihre Stelle das Klagehemat", ein Kleidungsstück, das über dem Mieder nach Art einerJacke getragen wurde und vorne offen blieb. Es war aus grobem brau-nen oder schwarzen Loden mit geradem Schluß und war mit breiten,grünseidenen Bändern( Gallun) vorne und um den Hals eingefaßt( Ta-fel II, Abb. 9).

7. Schalk. Bei der Festtagstracht trat an Stelle der Unterärmelder Schalk", auch Tscheapl" genannt. Es ist eine Ueberjacke ausfeinem, schwarzem Lodentuch. Um den Hals und an den Aermelendenist dieses Kleidungsstück mit rotem Seidenband( rotem Gallun) einge:faßt. Die Aermel sind aufgepufft und enden schmäler werdend am EM-bogen, wo der sogen. Spitzeinsteck" vorschaut, ein kurzes Leinwand:ärmelchen, das mit Spitzen endet. Dat Rot der Schalkeinfassung stimmtmit jenem des Festtagsbrustig überein. Der Schalk blieb vorne offen undwar nur am unteren Ende mit einem roten Seidenbande versehen, das inein Häkchen eingeheftet werden konnte. Das Futter des Schalkes ist ausscharlachrotem Pudltuch, wie die Bubenhemater"( Tafel II, Abb. 10).

8. Hut. Das weibliche Geschlceht im Sarntal trug und trägt heutenoch Hüte. Früher hatten sie genau die gleiche Form wie die Männerhüte,nur fielen die schweren Schnüre mit den Tschoggln" weg und blieben nurmehr die schwarzen Bänder, die am runden Gupf" festgeheftet warenund nach rückwärts auf die Krämpe fiielen. Ein solcher Hut war ausschwarzem Filz, 50 bis 60 Zentimeter breit und daher ziemlich schwer.

Aus ihm entstand der heutige Weiberhut Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberhut, der etwas schmalkrem-piger, aber immer noch breit ist und einc rote Schnur am Rande desGupfes und die schwarzen Bänder am Gupf" hat. Daneben tritt auchein kleinerer, runder, rauhhaariger Hut auf, der den Weg von Osten( Eisacktal) hereingefunden hat.

In der Festtagstracht hat sich die älteste Hutform erhalten, dersogen. Riedlhut", nach dem Riedl", dem Haarschmuck, so benannt. Erwar auch schwarz, mit breiter Krempe, der Gupf war aber sehr kleinund nur durch eine Ausbuchtung in der Mitte angedeutet. Er trug einrotes Hutband und zwei rote Bauschen aus Schnüren. Dieser Hut wurdein der Mitte des vorigen Jahrhunderts noch getragen, jedoch nur, wenndas Riedl aufgesetzt wurde. Heute ist er da und dort in einem Hause als