In älterer Zeit, etwa in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhundertsnoch, war cr sehr kurz und reichte wenig über die Knie. Dieses wurdevon der Geistlichkeit als ärgerlich verurteilt, worüber mir die alte Wiesbauerin eine köstliche Geschichte erzählte: In Wilten bei Innsbruck warein großes Jubiläum des Muttergottesbildes, zu dem auch die Geistlichkeit im Sarntal warb. Aber nach dem Ausspruch des Dekans durften nurMänner gehen, mit dem kurzen Kittel der Weiber Glossar ::: zum Glossareintrag Weiber müsse man sich nurschämen. Trotzdem ging eine Penserin mit. Als nun die Sarntaler wiederzurückkamen, sagte der alte Bauer:„ Mit dem Penserfack haben wir unsalle schämen müssen¹). Nach der Gemeindeordnung vom Jahre 1658 erahielten die Mägde als Lohn u. a. einen„ rupfenen Kittl". Damals wurdenalso die weiblichen Gewandstücke hauptsächlich aus Leinenstoffen her:gestellt, diese in späterer Zeit aber nur mehr als Futter verwendet.
3. Mieder: Dieses bildet mit dem Kittel ein Gewandstück underinnert daher an die ursprüngliche Frauentracht, die nur ein Gewand:stück kannte. Das Mieder ist aus rotem Loden oder Wollstoff und warmmit festem, harbenem Tuch( gröberem Leinen) ausgefüttert. DerSchnitt ließ einen großen Teil der Brust und des Rückens frei.ebenso die Arme. Ueber den Schultern geht nur ein ziemlichschmaler Sattel. Das Mieder ist von cinem schwarzen Bandum Aermel und Rücken eingefaßt, so daß nur vorne an zwei Stellen und rückwärts die Stelle wird Scheibe genannt der rote Stoffzum Vorschein kommt. Vorne ist das Mieder geöffnet und wird durchdie sogenannte„ Nestlschnur", die an kleinen Häkchen befestigt wird,festgehalten. Die Nestlschnüre wurden im Hause selbst mit 4 Klöppeingeklöppelt und waren grünweiß, rotweiß oder bunt, je nach Geschmack,immer aus Seide. Die Häkchen stehen sehr enge, und die Nestlbänderwerden kreuz und quer gezogen( Tafel II, Abb. 7).
4. Brustig: Wurde vorne zwischen Hemd und Miederausschnitteingeschoben, ein dreieckiges Stück, das mit grünem Seiden( Gallun-) bandeingefaßt und in der Mitte ein Herzstück aus blumengemustertem dunk-len Tuch hatte. Es schaute durch die Nestlbänder durch. Bei der Festtagstracht war das Brustig von roten Seidenbändern eingefaßt.
Bei der Klage war das Brustig durchaus schwarz.
5. Das Goller: Wurde um den Hals getragen. Es bestand auseinem Stück Leinwand, das über dem Hemd und Mieder um den Halsgelegt wurde. Der Halsauschnitt ist mit einer Spitzenkrause aus geklöp-pelten Spitzen versehen und liegt ungesteift an Schultern, Brust undRücken auf. Eigenartig ist die Befestigung des Gollers mit einer langen,weißen Schnur, die an den Rückenenden des Gollers durch zwei Schlipfenläuft. Die Schnur wird unter den Achselhöhlen durchgezogen, jener Teilder Schnur zwischen den Schlipfen wird von rückwärts über den Kopfund dann wieder unter die Achseln durchgeschlungen. Die Schnur bleibtüber dem Mieder sichtbar( Tafel II, Abb. 8).
1) Ueber den gleichen Streit in Zillertal siehe Sikora„ Zur Ge:schichte der Zillertaler Tracht", Zeitschr. f. österr. Volkskunde, XII.Sonderabdruck.
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